
Nachdem die Produzenten Zemeckis und Silver mit dem „House of the Haunted Hill“-Remake von 1999 einen großen kommerziellen Erfolg landeten und auch die Neuverfilmung von „13 Geister“ anno 2001 gut Geld einbrachte, entschloss man sich bei der Produktionsfirma Dark Castle, zu der Zemeckis und Silver zählen, nun jedes Halloween ein Horrorfilm in die Kinos zu bringen. 2002 sollte es „Ghost Ship“ sein. Unter der Regie von Steve Beck, der zuvor das „13 Geister“-Remake vollzog, wurde erstmals kein Streifen „geremaked“, sondern der erste eigene Film geschrieben und produziert.
Die Story von „Ghost Ship“ ist dabei schnell erzählt. Die Crew des Bergungsschiffes „Arctic Warrior“ erhält von dem Air-Force-Piloten Jack Ferriman einen Hinweis, dass ein unbemanntes herumtreibendes Schiff an der Küste Alaskas treibt. In der Hoffnung, die Rechte für die Bergung des Schiffes zubekommen, bricht die Crew auf und findet heraus, dass es sich bei dem Geisterschiff um den seit 1962 vermissten, italienische Luxusliner „Antonia Graza“ handelt. Eine kleine Gruppe der Crew macht sich bereit und tätigt die ersten Schritte auf dem „Ghost Ship“. Es gibt keinerlei Anzeichen von Überlebenden, keine Hinweise über das verbleiben der Besatzung. Nach und nach passieren immer mehr merkwürdige Ereignisse und geisterhafte Erscheinungen auf der „Antonia Graza“. Die Crew stellt Nachforschungen auf dem Schiff an und entdeckt dabei nichts Gutes…

Der Plot des Filmes bietet eigentlich nichts Neues und gewinnt bestimmt keinen Innovationspreis. „Event Horizon“, „Sphere“ oder auch „The Black Hole“ haben die gleichen Ansätze bzw. den gleichen Plot. Trotzdem lässt die Inhaltsangabe von „Ghost Ship“ auf ordentlichen Horror und „Grusel“ hoffen. Leider ist dem nicht ganz so.
Dabei fängt der Film klasse an. Eine perfekt ausgestattete Anfangssequenz lässt den Film mit guter Musikuntermalung, einem tollen 60er Jahre Feeling und einem unerwartet blutigen Ausgang des Anfangs beginnen. Doch schon mit der Vorstellung der Bergungsschiff-Crew nimmt die Qualität des Filmes, dank vieler Horror-Klischees, deutlich ab.
Da gibt es zum einen den tapferen und mutigen Kapitän Sean Murphy (Gabriel Byrne), der im Laufe des Filmes zum sentimentalen Wrack wird und genretypisch dem Alkohol verfällt. Es folgt Maureen Epps (Julianna Margulies), die „Ellen Ripley“ für Arme, die das ganz taffe und starke Mädchen spielt und von allen Jungs respektiert wird. Auch mit dabei ist Greer (Isaiah Washington), der den standardfarbigen Lockeren spielt, der nie um einen „coolen“ Spruch verlegen ist, in Wahrheit aber den zahmen und liebenswürdigen Ehepartner darstellt. Santos (Alex Dimitriades), der spanische Mechaniker und Autonarr, bringt den Macho mit Akzent an Bord und darf den Unsympathischen verkörpern. Dodge (Ron Eldard) und Munder (Karl Urban) bilden zusammen das „Chip & Chap“-Team der Crew, und nerven den Rest mit Streichen und Streitereien. Damit wäre die Klischee-Crew komplett. Zum Cast kommen dann noch Desmond Harrington als Jack Ferriman und Francesca Rettondini als Francesca hinzu.

Die schauspielerischen Leistungen der Akteure halten sich dabei in Grenzen. Wirklich herausstechen können nur Gabriel Byrne als Kapitän und Desmond Harrington als Ferriman. Aber auch deren Performance ist nicht das Gelbe vom Ei. Hingegen der durchschnittlichen Schauspielerqualitäten kann die Ausstattung von „Ghost Ship“ jedoch voll und ganz überzeugen. Das Geisterschiff sieht wirklich unheimlich aus, das Innere des Luxusliners wurde liebevoll mit Rost und Schmutz versehen und die Detailverliebtheit der im Film verwendeten Modelle ist lobenswert. Das trägt natürlich auch massiv zur Atmosphäre des Streifens bei. Auch wenn die Gruselstimmung hätte noch besser sein können, ist sie Steve Beck doch recht gut gelungen und „schwimmt“ im oberen Durchschnitt.
Doch es gibt auch Punkte, die dem Regisseur bei seinem zweiten Werk nicht gelungen sind. Da wären zum einen die häufigen Spielereien mit Zeitlupen und Zeitraffern, die vermutlich für Dynamik und Action sorgen sollen. Jedoch sind diese ein klarer Schuss nach hinten und könnten höchstens der MTV-Generation von heute gefallen. Denn SlowMotion-Effekte haben in einem Horrorfilm nichts zu suchen. Schon gar nicht, wenn der Cutter jede paar Sekunden zwischen Zeitlupe, normaler Geschwindigkeit und Zeitraffer hin und her schneidet. Besonders stark kommt dieser negative Aspekt zum Vorschein, wenn der Rückblick die Geschehnisse an Bord der „Antonia Graza“ zeigt. Dabei hätte insbesondere diese Szene deutlich besser sein können.

Beim Drehbuch kann man Schreiberling Mark Hanlon noch soviel Klischeehaftigkeit vorwerfen, eines muss man ihm lassen. Der Film nimmt einen etwas anderen Lauf, als man erwartet hätte. Die Erklärung für die ganzen Ereignisse mag vielleicht ein wenig grotesk und weit hergeholt sein, aber trotzdem überrascht es den Zuschauer – und das positiv. Zumal Hanlon viel Freiraum für Interpretationen bietet, da nicht alle Fakten besprochen und Geheimnisse gelüftet werden. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass das einfach nur Logiklücken wären, aber man merkt beim Anschauen des Filmes, dass sich der Drehbuchautor schon seine Gedanken über den Film gemacht hat. Jedoch ist das fertige Drehbuch schlecht Ausgearbeitet worden, dass liegt vor allem an der Umschreibung durch Joel Silver, der kurz vor Drehbeginn das Drehbuch noch mal komplett überarbeitete.
Das Ende des Filmes ist Steve Beck und seiner Crew jedenfalls auch gelungen. Ein schöneres Ende in einem Horrorfilm gab es schon lange nicht mehr.
„Ghost Ship” hatte viel Potential. Leider wurde es nicht voll ausgenutzt. Und vielleicht ist das auch die Erklärung für den fatalen Flop an den Kinokassen Amerikas. Trotz all der Klischees, des 08/15 Plots, der eigenwilligen Zeitlupeneffekte und den schlechten Ausarbeitungen des eigentlich guten Drehbuches, besticht „Ghost Ship“ mit guter Atmosphäre, tollem Anfang, netter Auflösung, schönem Ende und rettet sich damit zu einem durchschnittlichen Horrorfilm.