12.09.2010Konzertbericht: Summerbreeze 2010 von

Leider habe ich auf Festivals niemals eine Kamera dabei (schon weil ich keine besitze), darum muss dieser Artikel leider ohne Bilder auskommen. Ich bitte dies zu entschuldigen.

Seit 2007 gebe ich mich jedes Jahr fast eine Woche lang vollständig meiner Lieblingsmusik, dem Metal, hin. Diese eine Woche der Dauerbeschallung, des stundenlangen Headbangens und der exzessiven Musikerverehrung – kurz: Das Summerbreeze Open Air – fand auch dieses Jahr, wie all die Jahre davor, im August statt. Genauer gesagt vom 18. – 21. August und natürlich war ich wieder dabei.

Während ich 2007 die Tage noch allein mit einem Freund verbracht habe, wurde es im Laufe der 4 Jahre eine immer größere Gruppe und auch 2010 haben wir einen neuen Höchststand erreicht: Insgesamt 9 Leute, die zusammen campiert haben. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich mir das noch einmal antun soll, denn irgendwie führen zu große Gruppen nur zu unglaublich viel Stress. Dabei waren nicht mal so sehr die Leute, die dabei waren das wirkliche Problem, sondern viel mehr die, die dann noch angeschleppt wurden – irgendwie ziemlich unlustige Zeitgenossen, was zur Folge hatte, dass ich weniger Zeit an unserem eigenen Zelt verbracht habe und mich stattdessen mehr auf dem Gelände rumgetrieben habe. Das soll jedoch nicht negativ in meinen Bericht einfließen, ich will es nur als kleine Vorbemerkung erwähnen.

Dienstag, 17. August

Für mich selbst fing das Summerbreeze dieses Jahr eigentlich schon am Dienstag an, schließlich reiste da die erste meiner Begleiter/innen (und meine “Schutzbefohlene”) an. Ich hatte sie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen und entsprechend groß war die Wiedersehensfreude. Nachdem wir noch die letzten Vorbereitungen getroffen und uns noch einen Film angesehen hatten sind wir auch rechtzeitig zu Bett gegangen, um am nächsten Morgen möglichst ausgeschlafen aufstehen zu können …

Mittwoch, 18. August

… Ein Plan der natürlich knallhart fehlschlug. Aber da muss man durch. Schnell aufgestanden und gefrühstückt, schießlich sollten wir um 8.30 Uhr von einem weiteren Mitglied unserer Gruppe abgeholt und mit nach Deffersdorf genommen werden, wo sich dann die gesamte Gruppe treffen wollte, um anschließend gemeinsam zum Breeze zu fahren. Die Anfahrt lief so problemlos und komfortabel (immerhin wurde ich in einem schönen VW-Bus bis zum Gelände chauffiert) wie noch nie, auch wenn die Fahrzeugkontrollen dauerten, da die Kontrolleure wie jedes Jahr absolut überlastet bzw. unterbesetzt waren. Aber das kennt man ja langsam und ein Breeze ohne Stau bei der Anfahrt wäre unterdessen kaum noch ein richtiges Breeze. Am Zeltplatz angekommen hatten wir sogar einen Platz, der so nah an den Bühnen lag wie noch nie zuvor. Am Mittwoch sind die beiden Bühnen noch nicht eröffnet, sondern es spielen nur ein paar Bands im Partyzelt. Es geht los mit den “New Blood Award”-Bands (der NBA ist eine Auszeichnung für Newcomer. Der Gewinner hat die Ehre das Breeze am Donnerstag zu eröffnen), später spielen dann noch einige andere Bands. Diese waren die Jahre zuvor immer ziemlich unbekannt. Dieses Jahr spielten echten Größen, was sich als Fehler herausstellen sollte. Doch eins nach dem anderen.

Die erste Band, die ich mir anhörte war eine Metalcore/Hardcore Band namens A.O.D. (ABYSS OF DESTRUCTION). Es war zugegebenermaßen eine echte Tortur sie anzuhören. Vom Sound her ähnlich wie Walls of Jericho nur (noch) einfallsloser, schafften sie es nicht mal sich auf der Bühne zu bewegen, geschweige denn eine vernünftige Show zu liefern. Sehr viel souveräner standen danach LEVIATHAN ihren Mann. Motiviert, mit guten Death/Thrash Metal Sounds, die mit einigen progressiven Elementen gepaart wurden und mit schönen Melodien bepackt, schafften sie es mir ihren Stil schmackhaft zu machen.

Wir gönnten uns erstmal eine Pause, standen dann jedoch pünktlich zur ersten bekannteren Band wieder im Partyzelt. Mit SUICIDAL ANGELS stand gleich noch eine Thrash Metal-Band an, die in meinen Ohren einen wirklich überzeugenden Sound herausgehauen hat und die es auch schafften das erste Mal für die kommenden Tage meine Haare zum Schwingen zu bringen, und das obwohl ich Thrash Metal gar nicht so leiden kann.

Danach gingen wir, ziemlich durstig, etwas trinken, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte. Nach SUICIDAL ANGELS gaben sich nämlich SUFFOCATION die Ehre und die miese Organisation des ersten Breezetages schlug voll zu. Scheinbar wollte jeder Frank Mullen und seine vibrierende Hand zusammen mit den fetten Sounds der Band sehen und hören. Jedenfalls war das Zelt unglaublich überfüllt und wir hatten nicht einmal mehr einen Platz bekommen, standen also dicht gedrängt vor dem Zelt und versuchten den ein oder anderen Blick zu erhaschen. Nichts desto trotz machten die 5 Mannen eine gute Figur und richtig guten Death Metal, nur leider auf einer viel zu kleinen Bühne. Nach ihnen sollten mit UNLEASHED, EQUILIBRIUM und ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY noch drei Bands kommen, die ich eigentlich gern gesehen hätte, aber wegen Platzmangel leider nicht sehen konnte. Schade, und ein großes Pfui für die Festivalorganisation. Somit endete der erste Breezetag für mich relativ früh und unbefriedigend, doch ich war absolut gespannt auf Tag 2, bzw. den ersten offiziellen Tag.

Donnerstag, 19. August

Nach dem Frühstück begann auch der Donnerstag mit etwas Frustration gegenüber der Organisation. Wir wollten in die Stadt fahren. Was die Jahre zuvor nie ein Problem gewesen war stellte sich jetzt als langwieriges Unterfangen heraus. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir damit sich einige von uns Zigaretten kaufen und einer auf einem normalen Klo (McDonald’s sei’s gedankt) koten konnte. Das Problem: Die Shuttlebusse waren böse überlastet. Doch nachdem der Ärger über die verschwendete Zeit und die nicht gesehene Band (BARREN EARTH) verklungen war, ging’s los: Auf zu den APOKALYPTISCHEN REITERN. Diese hatte ich das erste und letzte mal 2007 gesehen und war damals angenehm überrascht gewesen. Sie hatten ’07 viele ihrer Death-Songs gespielt. Dieses Jahr leider nicht, stattdessen kamen eigentlich nur folkigere Songs dran, die zwar immer noch gut aber leider nicht so gut sind, wie ich es in Erinnerung hatte. Das heißt für mich persönlich war es eine leichte Enttäuschung, wer jedoch ihre Folksongs mag, der konnte richtig Spaß haben, denn von der Show und dem musikalischen Können her sind die REITER über jeden Zweifel erhaben.

Danach gings weg von der Bühne und hinein ins Partyzelt: INSOMNIUM! INSOMNIUM, auf die ich mich vor dem Breeze so unglaublich gefreut hatte. Ich ergatterte uns einen Platz relativ weit vorne und nach den üblichen Soundchecks ging es los und ich war schwer begeistert. Sie übertrafen sich selbst. Spätestens ab dem Moment, als sie “The Gale” und gleich darauf “Mortal Share” spielten, hätte ich ihnen am liebsten die Füße geküsst. 40 Minuten Dauerheadbangen und Mitgröhlen.

Danach ging es weiter mit SWALLOW THE SUN – ebenfalls im Partyzelt. Ich muss gestehen, dass ich diese Band eigentlich kaum höre, obwohl sie soliden Melodic Death Metal machen. Ich muss allerdings auch gestehen, dass sie ihre wahre Stärke erst live ausspielen. Es war das zweite Mal, dass ich sie gesehen habe und beide Male war die Stimmung und die Musik einfach verflucht gut: Weitere 45 Minuten den Kopf kreisen lassen. Leider war der Sound zu Beginn einfach schlecht gemischt, jedoch wurde schnell nachgebessert und ab dann konnten sie voll überzeugen.

Und als wären die beiden Bands noch nicht genug, gabs gleich noch eine Melo-Death-Band im Anschluss. Diesmal die Altmeister DARK TRANQUILLITY auf der kleineren der beiden Bühnen. Obwohl ausgestattet mit großer Leinwand und netten Filmchen, konnten sie zu Beginn jedoch nicht überzeugen: zu laut waren Mikael Stannes Shouts, zu leise die restliche Instrumentalisierung. Später wurde auch hier nachgebessert und die Band bewies, dass sie tatsächlich zu den Meistern des Göteborger Melodic Deaths gehören. Packende und mitreißende Stimmung und erneut hatten meine Haare Freilauf.

Nach einer Pause strebten meine Freunde und ich einem absoluten Tiefpunkt des Festivals entgegen. Nichts ahnend hatten wir unser Zelt verlassen um uns THE DEVIL’S BLOOD im Partyzelt anzusehen, die keiner von uns kannte. Müsste ich ihren Stil beschreiben, würde ich jetzt vermutlich “Schlecht” sagen. Vor dem Auftritt hätte ich vermutlich “Post Rock” geantwortet. Die Bandmitglieder standen regungslos in ihrem schmutzig-feuchten Outfits posend auf der Bühne, die Sängerin stand während der gesamten Zeit mit weit ausgebreiteten Armen ebenso bewegungslos in der Mitte und zusammen schrammelten sie ihre kaum existenten Lieder herunter. Aber nicht genug, dass sie einfach nur schlecht waren, nachdem ihre Zeit um war, waren sie noch nicht einmal bereit zu gehen, nein, nicht die! Sie spielten fröhlich – oder eher trotzig – weiter. Nach einigen Minuten wurde der Sängerin das Mikro ausgeknipst und ich hatte meine Freude daran ihr zuzusehen, wie ihr Kopf immer röter wurde, als sie versuchte ohne Mikro gegen die Menge anzusingen und schließlich wirbelnd hinter der Bühne verschwand. Nach 10-15 Minuten überziehen war scheinbar auch der Rest der Band gewillt die Bühne zu verlassen und es konnte – wenn auch verspätet – mit AHAB weitergehen.

AHAB, das ist böser, atmosphärischer Doom Metal, bei dem einem selbst beim Zuhören kalte Schauer über den Rücken jagen und man denkt man könnte bereits kaltes Meerwasser schmecken und das tiefe beunruhigende Grollen großer Wellenberge, die über einen hinwegbrechen, hören. Und live sind sie noch besser. Ruhig und stampfend wie ein Schiffsmotor und so bedrohlich atmosphärisch wie kaum eine andere Band konnten sie mich auch (oder gerade deswegen) zu dieser späten Stunde noch absolut beeindrucken. Neben INSOMNIUM mein zweites Tageshighlight. Danach ging es für mich dann in die Zeltkabine, ausruhen für Freitag.

Freitag, 20. August

Nach einer verflucht kalten Nacht und dem Frühstück ging es erstmal ein bisschen einkaufen. Wir schlenderten gemütlich durch die Stände und meine Begleiterin fand sogar einige T-Shirts, die sie sich im Laufe der Tage allesamt kaufte. Danach ging für mich um 16.00 Uhr der Bandbetrieb los: ENSIFERUM sollte die erste an diesem Tag werden. Obwohl sie auf der großen Bühne spielten, war es gerammelt voll und wir hatten Schwierigkeiten überhaupt einen Platz zu finden, von dem aus man einigermaßen sehen konnte. Doch nachdem dies schließlich geschafft war, war ENSIFERUM besser als ich es eigentlich erwartet hatte, schließlich mag ich eigentlich keinen Folk Metal. Jedoch waren irgendwie alle gut gelaunt und die Band hat gute Musik gemacht, also kam ich auch hier nicht umhin – trotz schmerzenden Nackens – den Kopf zu schütteln.

Nachdem wir uns dann etwas zu trinken geholt hatten und uns so von der brennenden Hitze dieses Tages ablenkten, gingen wir weiter zur kleinen Bühne zu ANATHEMA. Die hatte ich bereits 2008 gesehen, fand sie damals jedoch ziemlich schlecht. Da ich die Band unterdessen sehr gerne höre, dachte ich mir, dass ich ihnen einfach nochmal eine Chance gebe. Wir standen also an der Bühne, aber bereits nach wenigen Minuten wurd mir das einfach zu langweilig. Es ist nicht, dass sie schlecht wären, aber sie sind einfach etwas zu langweilig, finde ich. Also haben wir uns etwas neben der Bühne in den Schatten gesetzt und ich habe begonnen fröhlich mit den Hackschnitzeln, die vor den Bühnen am Boden lagen, eine kleine Stadt aufzubauen, während wir gemeinsam der angenehmen Musik lauschten.

Meine Sandkastenspielerei wurde dann jedoch jäh unterbrochen. Es war 10 Minuten vor dem Beginn von CANNIBAL CORPSE und meine Begleiterin drängt zum Aufbruch, schließlich war das eine der Bands, die sie unbedingt sehen wollte und auf die sie sich unglaublich gefreut hatte. Also standen wir überpünktlich bei CANNIBAL CORPSE vor der großen Bühne und warten gespannt darauf, dass uns der Corpsegrinder begrüßte. Was soll ich groß sagen? Es ist kein Wunder, dass CANNIBAL CORPSE zu den berühmtesten Bands des Death Metals gehören. Technisch makellos und musikalisch perfekt ließen sie einen Knaller nach dem anderen los. Da blieb kaum ein Auge trocken. Von “I will kill you” bis zu “Hammer smashed Face” wurde kaum ein bekannter Titel der Band nicht gespielt und die coolen Bemerkungen des Corpsegrinders (“This is a Song for the Headbangers. Try to keep up with me! You will fail, but you should try!”) taten ihr übriges. Eine Stunde Dauerheadbangen war vorprogrammiert.

Danach brauchte ich erstmal ein wenig Pause, doch ungefähr 2,5 Stunden später ging es gleich wieder los zu GORGOROTH. Die Black Metaller spielten auf der kleinen Bühne und klangen zwar nicht schlecht, überwältigten mich aber auch nicht so wirklich. Ich zitiere hier mal meine Begleiterin: “Ich find die sind irgendwie ziemlich 08/15.” Und das stimmt. Es ist sicherlich solider Black Metal, der aber nichts wirklich besonderes ist. Aber das ist Geschmackssache. Nach der Hälfte mussten wir jedoch zurück zum Zelt, da meine Schutzbefohlene mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatte. So legten wir nochmal eine Pause ein, bis es ihr wieder besser ging. Sie wollte jedoch – Black Metal Fan wie sie ist – unbedingt WATAIN anschauen, also haben wir uns nach relativ kurzer Zeit wieder auf die Socken gemacht und ab ins Partyzelt. Und ich muss sagen: Sie waren gut. Eine schwer zugestellte Bühne mit Fackeln und dem brennenden Bandlogo sorgten für ordentlich düstere Stimmung und die motivierte Band spielte wirklich gute Lieder. Ich – und meine Begleiterin ebenfalls – fand sie wirklich klasse.

Der Abend neigte sich dem Ende zu, jedoch kamen davor noch zwei Bands, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Die erste war HAIL OF BULLETS. Ich hatte diese Band ebenfalls 2008 auf dem Summerbreeze für mich entdeckt. Solider Death Metal mit dem Frontmann von ASPHYX, der ja wirklich ein saucooler Hund ist. Dass sie sogar einige der Songs, die auf dem neuen Album sein werden, gespielt haben, hat mich natürlich auch gefreut und mich neugierig auf das Album gemacht. Mal sehen wie es wird, das was ich gehört habe klingt auf jeden Fall sehr gut. Aber auch die älteren Songs sind immer wieder genial und so hatten wir unglaublich viel Spaß. Einziges Problem war, dass ich meistens Probleme hatte den Sänger zu verstehen, weil der scheinbar willkürlich zwischen Englisch, Niederländisch und Deutsch hin- und hergewechselt hat, was das ganze echt schwierig machte. In den Songs selbst sang er nur Englisch, das heißt da blieb alles beim – sehr guten – Alten und meine Haare kamen kaum zur Ruhe.

Die zweite – und letzte – Band für diesen Abend sollte ORPHANED LAND für mich sein. Ich wäre beinahe schon vor ihnen zum Zelt gegangen, weil ich einfach unglaublich müde war. Michael hat mich dann davon abgehalten und gemeint, dass er mir eine langt, wenn ich jetzt ins Bett gehe. Immerhin habe ich ja doch immer wieder davon gesprochen, wie gerne ich ORPHANED LAND live sehen will. Danke Michael, dass du mich überredet hast, ich hätte es sonst wohl unglaublich bereut. Die Band selber war gut. Man muss leider zugeben, dass ihre Songs sich nicht so sehr dafür eignen live gespielt zu werden, aber die Jungs waren unglaublich gut drauf und sie hatten sichtlich Spaß daran uns ihre (doch sehr andere) Musik zu präsentieren. Sie spielten wirklich gut und ich habe ihre Songs sehr genossen und im Nachhinein bin ich sehr froh sie live gesehen zu haben, auch wenn ich sie mir wahrscheinlich nicht mehr ansehen werde (aber man soll ja niemals nie sagen). Damit ging dann der Freitag auch zu Ende. Ich hätte zwar gerne noch LONG DISTANCE CALLING gesehen, aber ich war so unglaublich müde, dass ich es einfach nicht gepackt habe. Ich fiel auf meine Isomatte, mummelte mich in meinen Schlafsack und bereitete mich geistig auf Samstag vor.

Samstag, 21. August

Es brach schon der letzte Breezetag an und das obwohl mir die Tage gar nicht so lang vorgekommen waren. Immer wieder ertappte sich einer von uns dabei zu sagen: “Das war gestern!” obwohl das Ereignis bereits zwei oder sogar drei Tage zurücklag. Nach dem Frühstück war noch einmal ausgiebiges Schlendern durch die Stände angesagt. Dann ging es zurück zum Zelt, wo wir unsere Sachen etwas zusammenpackten und die Zeltkabinen bereits zusammenlegten. Das ist immer ein bisschen das Blöde am letzten Tag. Man muss bereits alles zusammenpacken und -legen und gleichzeitig aber auch noch die Bands ansehen, die man gerne sehen möchte. Für mich war die erste Band an diesem Tag dann aber auch gleich ein kleines Festivalhighlight: HACRIDE! Kaum jemand kennt sie, aber sie machen blendend gute Musik, die irgendwo zwischen Metalcore, Death Metal und Progressive Metal angesiedelt ist. Es klingt wie eine Mischung aus MESHUGGAH und GOJIRA. Ich kam leider ein paar Minuten zu spät, jedoch hatte ich keinen Song verpasst, denn sie spielten zu erst ihren 15 minütigen Song, eines meiner Lieblingslieder von HACRIDE. Auch der Rest des Auftritts konnte mich absolut überzeugen. Eine motivierte Band, die gut gemischt war und richtig gut spielte und dabei auch noch ordentlich Stimmung machte. Das Partyzelt war zwar nicht voll, aber die wenigen, die da waren hatten unglaublichen Spaß, ich inbegriffen.

Wir blieben danach im Partyzelt, da die Alternative EISBRECHER gewesen wäre, was uns alle nicht sonderlich reizte, also blieben wir und hörten uns CALLISTO an, die zwar keiner von uns kannte, aber denen wir eine Chance geben wollten. Ich muss sagen es hat sich nicht sonderlich gelohnt. Fand ich jedenfalls. Eine ruhige Band, mit einem böse dreinschauenden Sänger, die irgendwie keine besondere Stimmung in mir lösen konnten. Also setzte ich mich wieder auf den Boden um erneut ein Hackschnitzeldorf zu errichten. Diesmal sogar mit Wachturm, dem ich sogar eine Fahne aus einem Stück Papier gebastelt hatte.

Trotz dieser leichten Ernüchterung hörten wir auch noch die nächste Band im Partyzelt an. Diesmal war es SOLSTAFIR. Und die konnten mich dann tatsächlich von sich überzeugen. Die Isländer trugen ihre Metal/Rocksongs so gut und angenehm vor, dass es eine Freude war an den Lippen des Sängers mit dem unschreibbaren Namen (Tryggvason … bitte tötet mich nicht, wenn es falsch ist – den Vornamen hab ich gleich weggelassen, weil ich einige der Zeichen nichtmal kenne) zu kleben.

Danach war für uns leider erstmal wieder Zeltabbauen und dann noch Essen angesagt, denn eigentlich wollten wir den Rest des Abends vor den Bühnen zubringen – was wir leider nicht ganz schafften. Unsere Bandzielgerade begann jedenfalls mit KORPIKLAANI. Vor der kleinen Bühne war es ordentlich voll und wir ergatterten nur einen Platz relativ weit hinten. Jedoch konnten wir dort dann wenigstens ausgelassen feiern, so wie es sich zu KORPIKLAANI gehört. Wir machten fröhlich Unsinn und tanzten eine Polka nach der anderen, umringt von vielen anderen, die ähnlich gut drauf waren. All zu sehr habe ich der Band nicht zugehört, aber sie machen einfach live eine gute Stimmung, bei der man am liebsten mit einem Krug Met in der Hand auf einem Tisch tanzen möchte. Das können, glaube ich, nur KORPIKLAANI und ich denke, das ist auch schonmal eine Leistung.

Danach ging es gleich weiter ins Partyzelt zu WARBRINGER, eine amerikanische Thrash Metal-Band, die eigentlich keiner von uns vorher kannte. Es stellte sich heraus, dass sie eben Thrash machten, was irgendwie ein Hindernis für mich war, sie wirklich gut zu finden. Aber sie machten überaus guten Thrash, so dass meine Freunde schwer begeistert waren. Die Menschen auf der Bühne waren Amerikaner, was von ihrem ganzen Getue so sehr ins Auge stach, dass es schon beinahe lustig ist. CANNIBAL CORPSE ist zwar auch eine amerikanische Band, doch merkt man den Menschen das nicht so sehr an. Bei WARBRINGER war einfach alles amerikanisch. Es ist schwer zu erklären, aber ich musste nur einmal nach vorne schauen um sofort zu wissen woher sie waren. Auf jeden Fall machten sie unbestreitbar sehr gute Musik und eine Bombenstimmung, die nur auf mich nicht so sehr übersprang, weil ich kein Thrash Metal Fan bin.

Und es ging sofort wieder zurück zur kleinen Bühne: DARK FUNERAL spielte. Wieder Black Metal und diesmal sogar sehr guter. Außerdem war es das Abschiedskonzert des Sängers Emperor Magus Calligula. Passend dazu wurde auch bei der Bühnenshow nicht gespart. Die Band trat in schwarzen Rüstungen und natürlich mit Corpsepaint auf. Dazu gab es Flammenfontänen und hin und wieder einige Explosionen. Also eindeutig ein echter Augenschmaus. Auch für die Ohren war das Ganze sehr annehmbar. Ich habe mit Black Metal zwar immer das Problem, dass meine Ohren beim live anhören irgendwann überlastet sind, da es einfach keinen Moment der Stille gibt sondern man immer von einem immensen Klangteppich umgeben ist, aber wenn man von diesem genretypischen “Problem” absieht, haben die Jungs wirklich gute Musik gemacht und konnten mit ihren Songs eindeutig überzeugen.

Danach ging es nach nebenan zur großen Bühne. CHILDREN OF BODOM wäre der einzige Headliner des Summerbreeze Open Airs 2010 gewesen, den ich gesehen hätte. Wir standen relativ weit hinten, was nicht so schlimm war, denn meine CHILDREN OF BODOM Zeit ist doch schon einige Tage vorbei, jedoch hatte ich sie nie live gesehen und darum dachte ich mir, dass ich das jetzt noch nachhole. Ich muss der Band zugestehen, dass sie ihre Songs gut gespielt haben, jedenfalls diejenigen, die ich gehört habe. Jedoch fand ich die Band selbst so pubertär und unreif, das es eine einzige Qual war ihnen zuzuhören. Es tut mir leid, aber ich finde es nicht unglaublich cool, wenn der Sänger bei der Titelansage pro Satz 10 mal das Wort “Fuck” benutzt. Das ist sicherlich eine Leistung, aber keine die mich beeindrucken würde, sondern die ungefähr auf der Höhe des Bockwurstwettessen-Weltmeisters rangiert: Lächerlich. Das war auch der Grund warum wir ungefähr zur Hälfte gegangen sind, um uns einen warmen Pulli zu holen, es war nämlich verflucht kalt.

Danach ging es dann zum Abschluss noch zu EISREGEN im Partyzelt. Normalerweise ist EISREGEN keine Band, die mich wirklich begeistert. Jedoch muss ich zugeben, dass sie mich live tatsächlich faszinieren konnten. Es fing bereits mit einem ganz netten Lacher an, als wir feststellten, dass der Sänger Blutkehle ein Ninja ist. Schließlich wurde Blutkehle doch noch sichtbar und die Show begann. Und sie war gut. Fröhlich tanzten wir zu “1000 tote Nutten” was irgendwie einen gewissen bösen Sarkasmus hatte, aber dadurch nur umso besser zu EISREGEN passte. Ein bisschen schade ist, dass fast nur Songs von dem neuesten Album gespielt wurden. Einige alte Songs wären da doch noch schön gewesen. Jedoch war es dann insgesamt irgendwie schön, dass unser Summerbreeze Open Air 2010 mit “Elektro-Hexe” beendet wurde. Es folgte dann nur noch die Heimfahrt und wir brachen müde und zufrieden in unseren Betten zusammen.

Zwei Dinge möchte ich aber doch noch erwähnen, die mir etwas sauer aufstießen. Das erste habe ich bereits vorhin genannt: Die schlechte Organisation des ersten Tages und der Busse. Da sollte man sich genau überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, auch weiterhin am ersten Tag nur das Partyzelt zu öffnen. Wenn man weiterhin solche bekannten Bands bringen will, sorgt das bei den meisten Menschen nur für Frust, da sie die Band, die sie gerne gesehen hätten, wegen Überfüllung nicht sehen können.

Das zweite ist die Entwicklung vor den Bühnen. Vor der großen Bühne wurde der Boden jetzt zum Teil gepflastert und bereits letztes Jahr (und dieses Jahr auch) gab es Wellenbrecher mitten im Publikum. Auf dem gepflasterten Untergrund lässt es sich zwar ganz gut stehen, aber er macht es auch unglaublich gefährlich. Sollte man bei einer Wall of Death oder einem Moshpit stürzen oder sollte gar ein Crowdsurfer fallengelassen werden ist das gemein gefährlich, führt zu bösen Schürfwunden und vielleicht zu Schlimmerem. Ich finde, da sollte man sich doch einmal ernsthaft überlegen, ob man das so beibehalten will. Das gleiche gilt für die Wellenbrecher. Diese führen zwar nicht zu Verletzungen, trennen aber die Menge. Das heißt wenn früher noch alle direkt vor der Bühne standen und so einfach eine bessere Stimmung aufkam, auch bei kleineren Bands, stehen jetzt nur noch die richtig großen Fans der Bands direkt vor der Bühne, der Rest bleibt aus Bequemlichkeit hinter den Wellenbrechern stehen. Bei großen und bekannteren Bands ist das verheerend: Die ersten echte Fans kommen an und stellen sich vor den Wellenbrecher. Dann kommen viele Leute, die von der Band zwar mal was gehört haben aber nicht so wirklich die richtigen Fans sind, aber schon gerne mal ein Lied hören und hinter den Wellenbrechern stehen bleiben. Dadurch ist dann der Durchgang für andere Leute, die gerne vor die Wellenbrecher würden blockiert und es ist sogar bei bekannten Bands vorne wenig los und hinten stehen viele, die aber niemals so sehr mitmachen, wie es ohne Wellenbrecher der Fall wäre. Dadurch stellen sich viele negative kleine Problemchen ein, wie zum Beispiel, dass es kaum noch ordentliche Moshpits und ähnliches gibt, es ist ja kaum jemand vorne dabei. Also sollte man da vielleicht auch nochmal überlegen, ob das wirklich nötig ist. Wacken ist doppelt so groß und hat keine Wellenbrecher. Warum ist es dann beim Breeze unbedingt notwendig?

Alles in allem würde ich das Summerbreeze aber trotzdem als Erfolg werten. Mir persönlich hat es viel Spaß gemacht, auch wenn dieses Jahr nicht ganz so toll war wie die Jahre zuvor. Warum genau kann ich nicht sagen. Aber es war schön, hat sehr viel Spaß gemacht und es gab eine Menge toller Musik.

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