16.09.2009Konzertbericht : Wacken 2009 von

20 Jahre Metal auf dem Kuhacker in Schleswig-Holstein.
Die Erwartungen an das 20. Wacken Open Air sind groß gewesen. Wo bleibt der Headliner, der eines solchen Jubiläums würdig ist? Jener kam nicht, dennoch stellte die Organisation ein gutes Best-Of Billing der letzten Jahre zusammen, welches allerdings bis auf ein paar Ausnahmen den Death- und Black Metal-Bereich fast gänzlich ignorierte. Der folgende Bericht wird meine (mittlerweile dritte) Reise zum Wacken Open Air ab Mittwoch bis zur Abfahrt am Sonntag beschreiben. Demzufolge werden sich hier nicht zu allen Bands Live-Berichte finden. Ebenso ignoriert habe ich den Mittelaltermarkt und die Wackinger sowie alle weiteren Späßchen á la “Bullhead City Wrestling”.
Mittwoch, der 29.7.2009:
Die Anfahrt begann um 2:30 nachts in Bremen, eine Häuserreihe von meinem Zuhause entfernt. Die Mutter eines Freundes erklärte sich bereit, ihn, seine Freundin und mich hinzufahren. Wir fuhren so zeitig los um die erste Fähre über die Elbe in Wischhafen zu erwischen. Jene Route hatte sich schon vergangenes Jahr bewährt, da dort deutlich weniger los ist als auf der vollkommen überlasteten Autobahn bei Hamburg. Nachdem wir irgendwo auf dem Weg geblitzt wurden kamen wir zeitig an der Fähre an und meine Vermutungen bestätigten sich: kurz nachdem wir das Auto in der Schlange abgestellt hatten, kamen immer mehr und die Schlange wurde um ein vielfaches länger. Sowas nennt man perfektes Timing! Inklusive Fährenfahrt und einmal Verirren kamen wir dann gegen 6 Uhr in Wacken an, luden unseren Kram aus und verabschiedeten die Mutter meines Freundes. Eigentlich war nun verabredet, dass wir uns mit einer anderen Gruppe von Bremer Freunden treffen, welche schon fast Punkt 0 Uhr in Wacken waren. Jene wurden jedoch irgendwo anders als vereinbart mit ihren Autos hingeleitet und es schien dort bereits alles voll zu sein. Naja, ok, dann haben wir unsere Zelte kurzerhand auf dem erstbesten (autofreien) Platz aufgeschlagen, was aber auch nicht schlecht war, da es dort etwas ruhiger und zentraler gelegen war. Die im Laufe des Tages anreisenden Nachbarn stellten sich als sehr freundlich heraus und so konnte das Festival entspannt beginnen. Nachdem wir uns gegen 17 Uhr nochmal für eine Stunde aufs Ohr legten, weil die Strapazen der Nacht dann doch langsam sich an uns zu schaffen machten, ging es dann abends zur ersten, im Vorfeld als Secret Show, angekündigten Band. Es handelte sich dabei um die ehemalige Onkelz-Coverband Frei.Wild, welche einen soliden Auftritt mit ihren Eigenkompositionen auf der WET-Stage hinlegten. Dieser ging eine knappe Stunde, nach der ich versuchte ein Festivalshirt zu ergattern. Aufgrund einer monströsen Schlange am Merchandisestand gab ich es jedoch genervt auf. Auf dem Campingplatz ließ ich den ersten Tag in Wacken ausklingen.

Der Wacken Skull - Das Logo des Festivals

Der Wacken Skull - Das Logo des Festivals

Donnerstag, der 30.7.2009:
Quasi über Nacht hatte sich das Campingelände, auf dem wir uns befanden, gefüllt. Überall herrschte gute Stimmung, man hörte Bierdosen zischen, Grills brutzeln und “WACKÖÖÖÖÖN!”-Rufe. Nach einem “Ich esse das Erste, was ich finde!”-Frühstück beschloss ich den bandfreien Vormittag und Mittag dazu zu nutzen, bereits einmal den Metal Markt zu erkunden. Dort hatte sich im Vergleich zu dem vergangenen Jahr nicht viel getan. Insbesondere das Metal Markt-Zelt, in welchem man normalerweise die besten CD-Schnäppchen findet, war dieses Jahr recht enttäuschend, denn so auf den ersten Blick fiel mir nichts besonderes auf. Also ging es erstmal recht frustriert wieder zurück zum Campingplatz. Als das eigentliche Festivalgelände schließlich gegen 16 Uhr eröffnete ging es sofort zu Nuclear Blast! Und siehe da: wenigstens die enttäuschten mich nicht. Um es kurz zu machen – es gab Schnäppchen, ich war glücklich. Doch nun zu den Bands:
18:30 – 19:45 – Der W: Der erste Gig an den drei Festivaltagen sollte mir der Stephan Weidner, seines Zeichens Bassist bei den Onkelz, bescheren. Ich war schon im Vorfeld sehr gespannt, da ich seine Arbeit mit den Onkelz sehr schätze und auch sein Soloalbum sehr gut finde. Wie erwartet kündigte er nach den ersten “Mexico”-Rufen an, dass er keine Lieder von den Onkelz spielen würde, was allerdings kein Anlass war enttäuscht zu sein. Der W rockte sein Set mit einigen Überraschungen runter, wie z.B. den Non-Album-Tracks “Heiss”, “Und wer hasst dich”, einer Rockversion des Nordend Antistars-Song “Gewinnen kann jeder” und einer umgeschriebenen Version von “Pass gut auf dich auf” (“Passt gut auf euch auf”). Die Soundqualität war gut, man merkte dem W an, dass er sehr gut drauf war und auch an der Show war nichts auszusetzen. Insgesamt ein sehr guter Auftritt und ein würdiger Beginn für das Festival!
20:15 – 22:00 – Running Wild: Rock’n'Rolf hört auf! So hörte man es des Öfteren im Vorfeld, als auf der WOA-Homepage bekannt gegeben wurde, dass Running Wild sich auflösen. Nach einer Laienschauspielereinlage, welche ich persönlich nicht besonders gelungen fand, kam dann endlich die Band auf die Bühne. Das Set war gut ausgewählt, wobei ein oder zwei mehr neuere Songs sicherlich nicht verkehrt gewesen wären. So hatte man jedoch alle wirklichen Hits dabei und die Meute war glücklich. Als Rolf bei “Riding the Storm” meinte, es gäbe keinen Sturm aber spielen den Song jetzt trotzdem, hatte Petrus wohl zugehört, denn 30 Minuten später begann es für eine Stunde zu regnen. Jedoch war dies aufgrund der Wärme nicht so besonders dramatisch. Alles in allem kann man sagen, dass sich Running wild gut verabschiedet haben, jedoch kamen keine wirklichen Emotionen beim Abschied hoch. Rest in Peace, Running Wild!
22:30 – 00:00 – Heaven & Hell: Der letzte Gig für Donnerstag sollte Heaven & Hell sein, sprich: Black Sabbath mit Dio. Leider kenne ich mich weder bei den Sabbath-Klassikern noch bei Heaven & Hells Soloalbum aus, demzufolge kann ich nicht sagen, welche Songs genau gespielt wurden. Wiedererkannt habe “Die young” (wegen einer Coverversion von Primal Fear) und “Heaven & Hell”. Insgesamt sicherlich eine beeindruckende Show, ich muss allerdings sagen, dass viele Songs bei mir nicht gezündet haben.
Nach dem Gig von Heaven & Hell ging ich erschöpft zum Campingplatz zurück, wo ich wegen arktischer Temperaturen recht bald die Flucht ins Zelt antrat.
Freitag, der 31.7.2009:
Freitag sollte der Band-Tag werden. Demzufolge ging es kurz nach dem Aufstehen um 13 Uhr auch direkt los.
13:00 – 14:00 – Endstille: Ein bisschen Black Metal zum Frühstück ist nie verkehrt. Das erste, was mir auffiel war, dass der Sänger gewechselt zu haben schien. Iblis war nämlich nicht blond. Der neue Sänger klang jedoch fast besser als der alte, demzufolge ist dies kein großer Verlust. Die Show war gut, wobei mir Kracher wie “Navigator” und “…of Disorder” gefehlt haben. Gespielt wurden dafür “Bastard” und “Frühlingserwachen”, welche durchaus sehr gut waren. Auf dem Legacyfest fand ich sie noch besser, aber auch hier waren sie gut.

Endstille

Endstille

14:15 – 15:15 – Gamma Ray: Weiter ging es mit ein bisschen spaßigem Power Metal. Gamma Ray hatten sichtlich Spaß und spielten ihr Set (inkl. Helloween-Coverversion “I want out”) runter. Kai Hansen war gut drauf und gut bei Stimme, der Sound war klar. Kann man nicht meckern!
15:30 – 16:30 – Tristania: Die erste Band auf der Party Stage und eigentlich nur Lückenfüller für die Wartezeit auf Nevermore. Eigentlich sind die ja ganz gut, jedoch war irgendwas mit dem Sound nicht in Ordnung. Man hörte eigentlich nur den Bass und das Schlagzeug. Dies besserte sich bis zum Ende der Show nicht, was ich sehr schade fand, denn daraus hätte man mehr machen können!
16:45 – 17:45 – Nevermore: Ja! Darauf habe ich seit letztem Jahr gewartet! Endlich Nevermore live sehen! Als sie dann auf die Bühne kamen, war ich ein wenig enttäuscht. Die Setlist beinhielt mit “Born”, “My acid Words” und dem Titeltrack nur drei Songs des Überalbum “This godless Endeavor”. Der Schwerpunkt lag auf den Songs des Albums “Dead Heart in a dead World”, welches ich nicht besitze. Dennoch war ich von den Songs, die ich erkannt habe sehr überzeugt und jene wurden auch astrein vorgetragen.
17:45 – 18:20 – Callejón: Nach dem genialen Auftritt auf dem Legacyfest habe ich mich entschieden, für Callejón das WET-Stage Zelt zu betreten. Leider hatten sie hier nicht so viel Zeit und konnten nicht so ein großes Set spielen. Das, was sie spielten war erneut sehr gut. Es war nur etwas schwach von der Wacken-Organisation der Band wegen maximal (ich habe auf die Uhr geschaut) einer Minute Überziehung den Saft abzudrehen und somit den letzten Song “Porn from Spain” zu versauen! Die Fans und die Band ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und sangen den Song auch ohne Instrumente zuende! Sehr gut gemacht, Callejón!
19:15 – 20:15 – HammerFall: Der Bühnenaufbau war jedenfalls schonmal beeindruckend. Auch die Musik an sich war verdammt gut. Die Setlist beinhaltete so gut wie alle Hits, die ich hören wollte (“Last Man standing”, “Glory to the Brave”, “Heeding the Call”, “Hearts on Fire”, “Blood bound”, und und und …). Die Band war ebenfalls gut drauf und so konnte Wacken die Schweden eine ganze Stunde lang feiern was das Zeug hält.

HammerFall

HammerFall

20:30 – 21:30 – Bullet for my Valentine: Gut, dass ich sie mir angeschaut habe! Das zweite Album ist sowieso recht gut, aber live gehen die Jungs echt ganz gut ab. Sie werden zwar nie DIE Spitzen-Metalcore Band werden, doch sie haben es immerhin erfolgreich geschafft sich von ihrem Emo-Image freizukämpfen.
Nach diesem Bandmarathon ging es für anderthalb Stunden zurück auf den Campingplatz. Jedoch sollte der Abschluss des Tages nicht lange auf sich warten lassen…
23:15 – 00:15 – Epica: Leider haben sie zeitgleich mit In Flames gespielt, ich hätte zu gern beide gesehen. Da ich In Flames jedoch 2007 schon gesehen habe, gab ich den Holländern den Vorzug. Es lohnte sich! Epica spielten eine astreine Setlist (u.a. “The obsessive Devotion”, “Fools of Damnation” und “Consign to Oblivion”, während sie das sehr poppige “Never enough” wegließen). Der Sound war im Gegensatz zu Tristania richtig gut, demzufolge war es nach einer halben Stunde nicht mehr schade, dass ich In Flames verpasst habe.
02:00 – 03:00 – Amon Amarth: Nach einer weiteren kurzen Pause auf dem Campingplatz ging es los zu Amon Amarth! Die Jungs kamen mit Wikingerschiff auf die Bühne und haben bewiesen, dass es sich bei ihnen um die Vorreiter im Viking Metal handelt. Ebenfalls eine sehr gute Setlist (“Guardians of Asgaard”, “The Pursuit of Vikings”, “Asator”, “Runes to my Memory”, …) und mehrere Schaukampfeinlagen ließen das Ganze zu einem Showspektakel erster Klasse werden. Wer braucht “Wackinger”, wenn Amon Amarth in Wacken spielen?

Amon Amarth

Amon Amarth

Samstag, der 1.8.2009:
Der letzte Festivaltag brach an. Die Füße taten von gestern noch weh, also wurden von den geplanten Bands Cathedral nur teilweise geguckt und Subway to Sally ganz ausgelassen, weshalb beide in dem folgenden Bericht keine Erwähnung finden.
13:00 – 14:00 – Rage: Rage hatten zwar diesmal kein Orchester dabei, allerdings hatte die Show trotzdem einige Überraschungen zu bieten. So kamen als Gastsänger unter anderem Hansi Kürsch von Blind Guardian, Schmier von Destruction und Eric Fish von Subway to Sally auf die Bühne um diversen Rage-Songs eine eigene Note zu verleihen. Insgesamt war der Auftritt sehr gelungen, tontechnisch, bandtechnisch, publikumstechnisch!
16.45 – 17:45 – Heaven Shall Burn: Die Abrissbirne des deutschen Metal-/Deathcore. Es gab während ihrer Show einfach nur noch Krieg! Ein monströser Circlepit, sowie mehrere kleinere! Das Publikum stand nicht, es hüpfte. Fulminant mit “Endzeit” eröffnet (es gibt keinen besseren Opener für ein HSB-Konzert), ging die Setlist mit Songs wie “The Weapon they fear”, “Counterweight” und “Voice of the Voiceless” genauso genial weiter. Einfach fantastisch!

Heaven Shall Burn

Heaven Shall Burn

19:15 – 20:15 – In Extremo: Die haben mich wirklich etwas enttäuscht. Zwar war die Show der Band 1A, jedoch ließ die Setlist zu wünschen übrig. Kein “Spielmannsfluch”, kein “Herr Mannelig”! So geht das wirklich nicht. Der Fokus lag viel zu sehr auf den Songs des “Sängerkrieg”-Albums, welches zwar nicht schlecht ist, jedoch keinen wirklich klassikertauglichen Song innehat. Demzufolge war ich etwas enttäuscht, insbesondere da ich mir das “Sängerkrieg”-Festivaltourshirt gekauft habe. Jenes ist jedoch besser als ihr Gig.
21:45 – 23:00 – Machine Head: Okay, so einen riesen Circlepit habe ich echt noch nie gesehen. Der ging einmal quer über den ganzen Platz vor der Bühne. Die Band hat aber auch eine Stimmung gemacht, meine Fresse, ging das ab da! Der Sound bombastisch, die Show genial, die Leute gut drauf und die Band noch besser. Das absolut einzige Manko an dem Auftritt ist das Fehlen von “Clenching the Fists of Dissent” in der Setlist. Alles andere war wirklich ohne Beanstandung genial.

Machine Head

Machine Head

00:45 – 01:45 – Korpiklaani: Korpiklaani konnten nach Machine Head mich nicht wirklich aus der Euphorie selbiger reißen. Bis auf die als Rausschmeißer gespielten Songs “Beer, Beer” und “Happy little Boozer” waren irgendwie verdächtig viele Instrumentals im Set. Die waren zwar nicht schlecht, jedoch fehlte irgendwie was. Das könnte man besser machen. Ein nicht ganz würdiger Abschluss meines Wacken Open Air 2009.
Subway to Sally wurde wegen Fußschmerzen sausen gelassen, was sich aber laut einiger Berichte nicht wirklich als Fehler herausstellte. Nachdem die Tourdaten bekannt gegeben wurden und die Band am 27.12. sowieso wieder nach Bremen kommt war mir klar, dass es wirklich richtig war.
Sonntag, der 2.8.2009:
Sachen zusammensuchen, Zelt einpacken und los. Wir mussten zu dem Treffpunkt, wo wir von meiner Oma abgeholt wurden, zweimal laufen, da wir nicht alles auf einmal mitgekriegt haben. Die Abholung lief jedoch problemlos ab und wir trafen uns kurz nachdem alle Sachen am vereinbarten Ort waren. Die Rückfahrt war bis auf 2 Stunden Stau vor der Fähre ebenfalls sehr entspannt und so kamen wir müde aber glücklich gegen 18 Uhr abends in Bremen wieder an.

Bis auf Tristania und Korpiklaani hat mich keine Band wirklich enttäuscht. Das Wacken-Feeling war auch 2009 wieder vorhanden. Da ich mir auf dem Festivalgelände nie etwas zu essen oder zu trinken gekauft habe, muss ich mich nicht über die sicherlich sehr teuren Preise beschweren. Man konnte schließlich Tetrapaks mit jeglichem Inhalt (jener wurde nicht kontrolliert) mit auf das Gelände nehmen. Es war jedoch nervig, dass ab Mittwoch Abend die Festivalshirts bis Freitag ausverkauft waren. Ich habe jedoch mit Glück noch eines bekommen. Abschließend bleibt nicht viel zu sagen außer, dass ich nächstes Jahr wieder dabei sein werde und es sich wirklich gelohnt hat. Die besten Gigs waren, wie sich sicherlich auch aus dem Text entnehmen lässt: Der W, Running Wild, Callejón, HammerFall, Heaven Shall Burn und Machine Head.

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