25.10.2010Persefone – Shin-Ken von

Genre: Metal
Release: 2009
Wertung: 8/10

Man findet ja immer mal wieder eigenartige Zusammensetzungen im Metal, wenn es um kulturelle Einstufungen geht. Als Beispiel muss man sich nur einmal Death Metal-Band Nile ansehen. Eine amerikanische Band, die Musik macht, die wie eine Kreuzung aus skandinavischem Death Metal und ägyptischen Melodien klingt. Seit 2003 hat sich ein weiterer Spitzenkandidat für kulturelle Verwirrung gefunden: Persefone.
Persefone ist eine Band aus Andorra, die sich nach einer griechischen Göttin benannt haben, die aber sehr finnisch klingenden Metal (ich will mich hier genretechnisch nicht zu sehr festlegen, dazu später mehr) machen. Und – um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen – haben sie 2009 ein Album mit japanisch anmutendem Namen und Cover veröffentlicht: Shin-Ken.
Doch genug von kultureller Einordnung, interessant ist die Musik, die unsere Ohren zu hören bekommen. Das Album selbst beinhaltet 14 Songs, die zusammen ordentliche 61 Minuten zum Durchlaufen brauchen. Wenn man die Songtitel durchliest, fühlt man sich sehr stark an die Anime-Serie “Avatar” erinnert, immerhin heißen vier der Songs “The Ground Book”, “The Water Book”, “The Fire Book” und “The Wind Book”. Thematisch geht es dann um ziemlich typische Inhalte: Kampf, ehrenvollen Tod und das Gleichgewicht der Elemente. Der Stil variiert dabei von orchestralem Sound, über progressive Anteile und an Popballaden erinnernde Melodien bis hin zu sehr dichtem Death Metal. Darum möchte ich im folgenden tatsächlich jeden Song kurz ansprechen, damit sich jeder ein Bild machen kann.
The Ground Book (Intro): Das Intro ist ein Instrumental, das irgendwie stark an den “Last Samurai”-Soundtrack erinnert, aber so angenehm und beruhigend ist, dass man vorerst das Bedürfnis hat die Augen zu schließen.
Fall to Rise: Aus diesem Zustand reisst uns aber schon der zweite Song wieder heraus. Fette Gitarrensounds, gepaart mit einem angenehm klaren Keyboard, treiben wild nach vorne, dazu kommt ein Shot/Scream-Mix, der sich mit rauem, aber klarem Gesang und sogar sehr melodiösen – gekonnt vorgetragenen – Gesangseinlagen abwechselt. Wir haben einen astreinen Melodic Death Metal-Titel vor uns.
Death Before Dishonour: Mit Death Before Dishonour liegt ein weiterer harter Song vor. Der aber nochmal ein gutes Stück mehr Wumms hat als Fall to Rise. Das Wort “Melodic” kann man nun eigentlich getrost streichen, denn hier haben wir es mit modernem Death Metal zu tun. Ähnliche Rythmenwechsel wie man sie von Meshuggah kennt, manchmal etwas unterlegt von einem Keyboard, dass sich jedoch soweit im Hintergrund hält, dass es nicht störend sondern einfach ausschmückend klingt.
The Water Book: Auch hier haben wir wieder einen instrumentalen Song, auch dabei will man wieder die Augen schließen, wenn das Klavier wunderschön vor sich hinplätschernd von Schlagzeug und später auch Bass und noch später von Gitarren begleitet wird.
The Endless Path: Nahtlos daran schließt sich ein weiterer härterer Song an, der mich persönlich an den Sound von Amorphis erinnert hat, wobei es in etwa so klingt als würde man den alten Death Metal-Sound und den neuen melodiöseren Sound von Amorphis in einem Lied kreuzen. Erneut wechselt sich cleaner Gesang mit ordentlichen Shouts ab.
The Wind Book: Gleich danach gibt es wieder ein ruhiges Instrumental, wie jeder der Book-Songs. Diesmal jedoch weniger Klavier im Vordergrund sondern eine ziemlich eingängige Gitarre, später wieder begleitet von Schlagzeug.
Purity: Diesmal bleibt es aber ruhig. Purity ist eine wunderschöne Ballade, die nicht so stark von Instrumenten hinterlegt ist, wie es die vorherigen Songs waren, sondern sich sehr stark auf die – in meinen Ohren- ziemlich angenehme Stimme des Sängers konzentriert, der sich hübsche Duette mit Klavier und Gitarre liefert.
Rage Stained Blade: Mit Rage Stained Blade findet Persefone dann aber wieder zur Härte zurück, in einem Song, der ziemlich an Children of Bodom zu ihren besseren Zeiten erinnert, zeigen die Jungs, dass sie mit den Altmeistern mithalten können und meiner Meinung nach, ihnen derzeit sogar überlegen sind (insbesondere anbetracht des mehr als mittelmäßigen Albums von Children of Bodom).
The Fire Book: Davon gehts zurück zur ruhigeren Seite. Mit The Fire Book, eröffnet sich dem Hörer, jedoch das erste mal warum das Album einen asiatisch anmutenden Titel trägt. Eine Frau singt, jedoch ohne Text. Ich muss sagen bei diesem Song bin ich nach wie vor gespalten ob ich ihn gut finden soll oder nicht. Er ist interessant, aber für meine Ohren irgendwie nicht sonderlich geeignet glaube ich.
Kusanagi: Nach einem ziemlich pompös klingenden Intro spielen Persefone hier ihre progressive Ader aus, die aber auch frisch und unverbraucht klingt. Einziger Kritikpunkt ist hier, dass mit dem Keyboard zum Teil etwas übertrieben wurde, jedoch muss ich auch eingestehen, dass mir Keyboard leicht etwas zu viel wird. Insbesondere wenn es weg von dem klassischen Klavierklang hin zu irgendwelchen Synthesizersounds geht.
Shin Ken – Part 1: Der erste Teil zum namensgebenden Titel ist erstmal einer der typischeren härteren Songs, der jedoch auch ziemlich Keyboard lastig ist, dafür werden einem hier auch wieder einige frische Elemente geboten, die wieder neu und vor allem gut klingen.
Shin Ken – Part 2: So hart der erste Teil war, so ruhig ist der zweite. Erneut darf der Sänger seine tolle Stimme zeigen, umringt von Klavier, Streichern, Schlagzeug und später Gitarre, wirkt die Stimme sehr angenehm und passt sehr schön ins Gesamtbild.
The Void Book: Einen letzten Büchertitel gibt es noch. Dieser ist jedoch kaum der Erwähnung wert. Zu kurz, als dass irgendetwas passieren könnte dient er nur als kleine Überleitung.
Japanese Poem: Ein letztes Instrumental beendet das Album. Genau wie die vorherigen ist es ruhig gehalten, doch bietet es auch wiederum neue Soundanteile, erinnert erneut ein bisschen an “Last Samurai”. Und somit werden wir auf erdenklich ruhige weise aus dem Album entlassen und haben eine Stunde – in meinen Ohren – gute und abwechslungsreiche Musik hinter uns gebracht.

Kritikpunkt sind die zum Teil etwas zu keyboardlastigen Songs und die in jedem härteren Song auftretenden Gitarrensoli. Diese klingen zwar immer nett, jedoch hat man zum Teil das Gefühl als wären sie nur da um etwas Zeit zu schinden und wirken auch immer etwas länglich.
Außerdem muss ich gestehen, dass kaum einer der genannten Songs wirklich dazu passt um einfach mal so zwischen durch gehört zu werden. Mir persönlich geht es jedenfalls so, dass ich entweder das ganze Album von vorne durchhöre oder einen Bogen um die Songs mache, weil sie im Gesamtkontext sehr viel besser wirken.
Einen weiteren kleinen Tipp möchte ich noch anbringen: Wer sich mit dem Sound noch nicht so ganz sicher ist, kann sich auf der offiziellen Homepage auch einige Songs umsonst herunterladen um sich ein genaueres Bild zu machen.

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