09.03.2009Peter Lancester – Die Chroniken der Anderwelten 3 : Dämonentränen von Dod

Nachdem in den beiden vorangegangenen Bänden die Geschichte von Eva und ihrer Familie behandelt wurde, führt Peter Lancester jetzt eine neue Hauptperson in die Serie ein. Mona ist ein Flugteufel aus der Anderwelt und damit eigentlich denkbar ungeeignet als Sympathieträger und Hauptperson eines kompletten Romans, mag man meinen.

Falsch gedacht, Mona ist eine tragische Gestalt, geflüchtet in Menschengestalt aus Unterhessen in der Anderwelt und in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts dank des blauen Portals unter Burg Grauenfels in unserer Welt gestrandet. Wehrhafte nackte junge Frauen, welche sich nicht verständigen können oder wollen haben es aber leider oft nicht leicht in unserer Welt. Daher wird sie recht schnell in eine Nervenklinik gebracht, wo sie die folgenden Jahre behandelt wird. Ihre unter der menschlichen Haut doch sehr skurrile Anatomie wird als seltsame Laune der Natur abgetan und Mona gerät mehr oder weniger in Vergessenheit.

Doch irgendwann wird ein Pharmaunternehmen auf sie aufmerksam, lässt sie verlegen und produziert fortan aus ihrem Blut seltene Medikamente. Zumindest, bis sie von ihrem dortigen Pfleger Frank nicht nur sozialisiert, sondern auch noch aus Mitleid entführt wird. Je mehr Mona von unserer Welt mitbekommt, je besser sie sprechen lernt und je weniger sie sich an ihre Vergangenheit als Flugteufel erinnert, wünscht sie sich, ein Mensch zu sein. Mit Frank zieht sie von München nach Hamburg und lebt dort einige Zeit mit ihm zusammen, bis sie eines Tages von unbekannten Personen aus ihrer Wohnung entführt wird.

Mit dieser Entführung beginnt der Roman. In vielen Rückblenden und Erinnerungsfragmenten wird ihre bisherige Geschichte erzählt und man erfährt dramatische Details aus Monas Vergangenheit.

Neu im Angebot: Horror vom Feinsten, düstere Erotik und hoffnungslose Verzweiflung

Dieser Teil der Serie ist anders als die vorherigen. Zum einen natürlich durch Mona als Hauptperson, aber auch, weil der größte Teil wieder in unserer Welt spielt. Die Rückblenden sind noch weiter verzweigt als im ersten Teil, wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, versteht man, warum es die beste Art ist, diese Handlung zu erzählen.
Stark ausgeprägt ist sowohl der subtile als auch der offenbare Horror in diesem Buch. Es bleibt bei der Geschichte um eine Dämonin mit ausgeprägtem Hunger auf Blut und Fleisch natürlich nicht aus, ab und an von angeknabberten Körperteilen zu berichten, teilweise zuckt man aber dann doch stark zusammen. Glücklicherweise artet es nie in Splatter aus, ohne Blut wäre diese Geschichte aber einfach nicht vollständig.
Mona kämpft auf fast jeder Seite mit sich selbst, würde gerne Mensch sein und weniger Dämon. Dennoch spürt man immer wieder, dass es sich eben doch um eine Bestie handelt und dass ihr wahres Wesen ihr teilweise keine andere Handlungsweisen als die des Monsters zugesteht, egal wie sehr sie sich bemüht.
Alles in allem fiebert man mit Mona mit, auch wenn man sich oft fragt, warum man einem blutrünstigen Monster solche positiven Gefühle entgegenbringt. Am Ende der Geschichte war ich erst einmal recht lange nicht ansprechbar und sinnierte über Monas Schicksal.

 Peter Lancester hat es mit “Dämonentränen” tatsächlich geschafft, die ersten beide Bände der Anderweltenchronik zu übertreffen. Spätestens jetzt ist die Chronik mein absoluter Fantasy-Favorit. Selbst langjährig etablierte Autoren haben es extrem schwer, an den flüssigen Stil, die auf den Punkt gebrachten Dialoge und vor allem die düstere Umschreibung einer Welt, die so tatsächlich existieren könnte, heranzukommen. 

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