Spieletaugliche Notebooks müssen nicht immer ein Vermögen kosten. Auch wenn das Acer Aspire 5740DG nicht unbedingt ein ultramobiler Überall-Begleiter geworden ist, punktet es an anderen Stellen – unter anderem mit einer 3D-Funktion wie im Kino.
Ein weit verbreiteter Irrglaube vieler Leute ist es, dass spieletaugliche Notebooks den Gegenwert eines Kleinwagens kosten müssen und aufgrund von Gewicht und Maßen am besten auch nur im Kofferraum eines solchen transportiert werden. Dass dem nicht so ist, beweisen viele Hersteller mit Mittelklassenotebooks im Preisbereich zwischen 750 und 900 Euro. Einen besonders interessanten Vertreter dieser Klasse stellt Acer mit dem hier getesteten Aspire 5740DG. Neben sehr guten technischen Daten inklusive DirectX11-Grafiklösung bietet dieses Gerät nämlich ein 3D-taugliches Display, zwei passende Polfilterbrillen liegen dem Paket bereits bei. Allerdings funktionieren hier sogar die in vielen 3D-Kinos verteilten Brillen.
Diese 3D-Technik bietet bei vielen aktuellen Spielen einen sehr schönen räumlichen Effekt, leidet allerdings auch noch unter ein paar Kinderkrankheiten. Im Vergleich zur bei kommenden TV-Geräten bevorzugten Shutter-Technik muss sich die bei Acer genutzte Polfiltertechnik zwar geschlagen geben, ein nettes Extra bleibt diese Funktion aber dennoch. Im Gegensatz zum bereits vor einem guten halben Jahr vorgestellten Vorgängermodell ist beim 5740DG endlich auch die Grafiklösung ausreichend schnell, um aktuelle Spiele in guter Qualität genießen zu können.
Technische Daten
Acer setzt auf aktuelle Hardware von Intel und ATI. Als CPU kommt ein nagelneuer Intel Core i5-430M mit 2,27 GHz Taktfrequenz zum Einsatz. Dank Hyperthreading kann diese DualCore-CPU ihre Auslastung bei einigen Anwendungen stark optimieren – aktuelle Spiele der Anno-Serie zum Beispiel nutzen viele Threads gleichzeitig und gewinnen mit Hyperthreading einige FPS hinzu. Auch auf Intels Turbomodus kann die CPU zurückgreifen. So ist es dem Prozessor möglich, die Taktfrequenz von 2,27 GHz auf bis zu 2,56 GHz zu erhöhen, wenn nur ein CPU-Kern genutzt wird. So profitieren ältere Programme von einem höheren Takt und moderne von mehreren CPU-Kernen.
Für die Grafikdarstellung wollte sich Acer glücklicherweise nicht auf die in der CPU integrierte Grafikeinheit von Intel verlassen und verbaut ATIs DirectX11-Grafikeinheit Radeon Mobility HD5650 mit satten 1024 MB GDDR3-RAM. Diese gehört zwar nur zur aktuellen Mittelklasse, schlägt aber sowohl vergleichbare Modelle aus der Vorgängerserie (eine HD4670 ist gute 10% langsamer und beherrscht nur DX10.1) als auch viele NVidia-Mobil-GPUs wie den verbreiteten GT250m oder den aktuellen GT335m, welche zudem keine Unterstützung für DX11 besitzen. Die 4 GB DDR3-RAM sind als Arbeitsspeicher mittlerweile ja schon etablierter Standard, mit 640 GB fasst die leider recht langsame Festplatte allerdings überdurchschnittlich viele Daten.
Das spiegelnde Display misst 15,6″ in der Diagonale und löst mit verhältnismäßig geringen 1366×768 Bildpunkten auf. Allerdings kommt die geringe Auflösung auch der Spieleleistung zugute — je weniger Bildpunkte zu berechnen sind, desto mehr Frames pro Sekunde berechnet der Grafikchip. Um auch ohne Steckdose arbeiten zu können, legt Acer einen 6-Zellen-Akku mit 4400 mAh Kapazität bei, welcher allerdings keine beeindruckenden Laufzeiten erreicht. Unter Volllast ist bereits nach knapp einer Stunde Schluss, bei durchschnittlicher Belastung wie der Arbeit mit Office oder im Internet kann man immerhin gute zwei Stunden arbeiten. Enttäuschend sind die Laufzeiten vor allem im Vergleich mit dem Vorgängermodell, welches bis zu 4,5 Stunden mit einer Akkuladung durchgehalten hat. Apropos kabellose Freiheit – neben Bluetooth bietet das Aspire 5740DG natürlich auch WLAN in allen aktuell wichtigen Standards (802.11 b/g/n) mit bis zu 300 MBit/Sekunde.
Schnittstellen sind reichlich vorhanden. Neben Gigabit-LAN, 4x USB2.0 und einem Kartenleser für SD, MMC und Memorysticks finden sich an den Gehäuseseiten natürlich auch Audio Ein- und Ausgänge sowie HDMI und VGA. Um das Gerät als Multimediaplattform am heimischen Fernseher zu nutzen, liefert der HDMI-Ausgang ein 7.1-Audiosignal und unterstützt maximal 1920×1080 Bildpunkte, also Full-HD. In der Displayoberseite ist eine VGA-Webcam eingebaut, welche befriedigende aber nicht überwältigende Bilder liefert. Acer hat auf der Festplatte Microsofts Windows 7 Home Premium in der 64Bit-Version bereits vorinstalliert und aktiviert. Leider fehlen wie bei fast allen aktuellen Notebooks die Wiederherstellungsmedien, welche man sich mittels des beiliegenden Programmes Acer eRecovery-Manager möglichst schnell selbst erstellen sollte. Notfalls ist ein 12 GB großer Bereich der Festplatte mit Wiederherstellungsdaten abgetrennt, so dass man im schlimmsten Fall auch von der Festplatte recovern kann, sollte Windows einmal endgültig die Kooperation verweigern.
Mit 2,8 kg inklusive Akku aber ohne Netzteil ist das Acer Aspire 5740DG kein Leichtgewicht, allerdings gibt es aktuell nur wenige bezahlbare Geräte dieser Leistungsklasse mit deutlich geringerem Gewicht. Da der Akku keine sonderlich berauschenden Laufzeiten garantiert und das Display unter direkter Sonneneinwirkung stark spiegelt, handelt es sich also weniger um einen permanenten mobilen Begleiter, als um ein flexibles Heimgerät. Und unterwegs trägt wohl eh kaum jemand freiwillig eine seltsam aussehende 3D-Brille um im Zug ein wenig zu spielen.
Praxistest
Auf den ersten Blick wirkt die Verarbeitung durchaus solide. Die Tastatur im Chiclet-Design schaut zwar mit ihren abgesetzten Tasten etwas gewöhnungsbedürftig aus, biegt sich aber dafür kaum durch und lässt sich gut tippen. Das Gehäuse ist solide verarbeitet, der erste Eindruck positiv. Kritikpunkte ergeben sich allerdings bei längerer Nutzungsdauer. So ist es sehr gewöhnungsbedürftig, Texte zu verfassen, da durch das rechts liegende Nummernfeld die gesamte Tastatur sehr stark nach links ausgelegt ist. Wer mittig vor dem Notebook sitzt, wird so nur nach langer Übung die richtigen Tasten finden. Passend dazu hat Acer das Touchpad etwas nach links versetzt angeordnet. Solange das Notebook auf dem Tisch steht, kann man sich etwas nach links versetzt davor platzieren um die Tastatur gut im Griff zu haben — auf dem Schoß balancieren kann man es so allerdings nicht ohne dass es rechts überkippt.
Leider weist das Gehäuse einen sehr störenden Mangel beim Anschluss des Netzteiles auf. Der Netzteilstecker sitzt viel zu locker in seinem Kontakt und löst sich mit warnendem Piepsen von Seiten des Notebooks gerne bei stärkeren Bewegungen aus seiner Halterung. Generell ist das Gehäuse an dieser Stelle zumindest bei unserem Testmuster nicht sehr bündig verarbeitet.
Das bis auf das mittlerweile fast allgegenwärtige Spiegeln recht überzeugende Display weist an einigen Stellen leider eine etwas unregelmäßige Helligkeitsverteilung auf. So befindet sich ein sichtbar hellerer Fleck auf der linken unteren Hälfte des Bildschirmes. Dieses scheint aber kein allgemeines Problem dieser Serie zu sein, andere Aspire 5740DG weisen den von uns beobachteten Mangel nicht auf. Allen Bildschirmen dieser Baureihe gemein ist allerdings ein je nach Betrachtungswinkel auftauchender Effekt durch die Polfiltertechnik. So sieht man bei hellen Hintergründen teilweise sehr deutlich die einzelnen vertikalen Zeilen des Bildschirmes, was das Bild sehr unruhig wirken lässt. Dieses lässt sich zwar beheben, indem man den Betrachtungswinkel oder den Abstand zum Bildschirm verändert, ärgerlich ist dieser Effekt aber dennoch.
Doch genug geschimpft, natürlich weist das Gerät auch viele positive Punkte auf. Die Lautstärke des Lüfters ist zum Beispiel bei normalen Office- oder Internettätigkeiten nur als vorbildlich zu bezeichnen. Selbst in ruhigen Umgebungen hört man den Lüfter kaum heraus. Erst wenn CPU- oder Grafiklast anliegt, dreht der Lüfter auf und sorgt für ein ständiges leises Rauschen, welches aber nur sehr selten stört. Im Gegensatz zu einigen anderen aktuellen Notebooks, wird auch der Bereich der Handballenauflage nicht zu warm. Erst nach stundenlanger Volllast spürt man auf der linken Notebookseite etwas mehr als Körpertemperatur. Dafür erwärmt sich die Unterseite teils sehr stark, besonders im hinteren linken Bereich, wo der Luftauslass des Kühlsystems sitzt. Stundenlanges 3D-Shooter-Spielen ohne Unterlage auf den Beinen ist jedenfalls nur hartgesottenen Progamern zu empfehlen
Die integrierten Stereolautsprecher versuchen den Klang mittels Dolby-Techniken aufzuwerten. Die Klangqualität ist allerdings bestenfalls durchschnittlich, immerhin sind die Lautsprecher aber lauter als die Gehäuselüftung und reichen auch aus um gelegentlich ohne Kopfhörer zu spielen. Viel Klangvolumen ist bei Geräten der 15-Zoll-Klasse aber generell schwer realisierbar.
Zockeralltag und Leistungstests
Natürlich interessiert uns auch, wie sich das Notebook bei aktuellen Spielen schlägt. Die neue Mittelklasse-Grafiklösung HD5650 von ATI schlägt sich mit dem aktuellen Doppelkern-Prozessor Core i5-430M sehr gut. Das aktuelle Call of Duty 6 – Modern Warfare 2 stellt das Aspire in seiner nativen Auflösung mit 1366×768 Bildpunkten in hohen Details flüssig dar. Eine von uns gemessene Szene aus der Mitte des Spieles attestiert durchschnittliche Frameraten von 65 Bildern pro Sekunde, allerdings gemessen ohne Kantenglättung. Selbst die für einen flüssigen Spieleindruck wichtigen minimalen FPS fielen nicht unter 40. Bei Bad Company 2 musste das Notebook schon etwas mehr arbeiten – durchschnittlich 50 Bilder wurden pro Sekunde dargestellt, allerdings haben wir auch hier auf Kantenglättung verzichtet.
Jedoch kostet der 3D-Modus spürbar Leistung. Sobald man den stereoskopischen 3D-Effekt hinzuschaltet, fallen bei Modern Warfare 2 die durchschnittlichen FPS auf 25, während bei einigen Szenen sogar nur 17 FPS gezählt wurden. Ein flüssiges Spiel ist so nicht mehr möglich, erst mit reduzierten Details kann man auch im optisch beeindruckenden s3D-Modus flüssig die Welt retten. Bei Bad Company 2 bietet sich ein ähnliches Bild. Auch hier liegen die durchschnittlichen FPS bei 25, aufwändige Szenen ruckelten mit nur 19 Bildern pro Sekunde schon spürbar. Auch hier hilft es, die Detailstufe des Spieles entsprechend anzupassen. Der 3D-Effekt sorgt auch bei diesem Spiel dafür, dass selbst geringere Detaildarstellungen nicht sehr schmerzen.
Ein sehr beliebter Trick, um die Leistung zu steigern, besteht normalerweise darin, die Auflösung des Spieles zu verringern, um die GPU entsprechend zu entlasten. Leider ist dieses aufgrund der genutzten 3D-Technik nicht möglich. Die vertikale Auflösung, in diesem Falle also 768 Bildpunkte, muss beibehalten werden um den 3D-Effekt zu gewährleisten.
Neues Spielgefühl? Stereoskopisches 3D
Der Hingucker des Aspire 5740DG ist auf jeden Fall die Funktion, viele Inhalte auch in stereoskopischem 3D (s3D) darstellen zu können. Ohne diese Technik würden wir hier ein 0815-Notebook mit brauchbaren aber nicht beeindruckenden Komponenten testen. Acer nutzt bei diesem Gerät die preiswerte Polarisationstechnik. Hierbeit wird das Bild zeilenweise polarisiert, jede Zeile abwechselnd für das linke und das rechte Auge, so dass im 3D-Betrieb mit einer der beigelegten Brillen ein stereoskopisch-räumlicher Effekt entsteht. Im Gegensatz zu den im TV-Bereich momentan stark beworbenen Funktionen, welche einen Bildschirm mit 120 Hz Wiedergabetechnik und eine teure Shutterbrille erfordern, ist die 3D-Funktion bei Acer nur mit minimalen Mehrkosten verbunden. Einen Nachteil hat die von Acer genutzte Technik allerdings schon – die vertikale Auflösung des Displays halbiert sich im 3D-Betrieb. So bleiben von 1366×768 Bildpunkten effektiv nur 1366×384 übrig. Bei 3D-Anwendungen hat dies keinen sichtbaren Einfluss auf die Bildqualität, im 2D-Betrieb allerdings kann man bei unglücklichen Betrachtungswinkeln und hellen Bildinhalten die einzelnen Zeilen erkennen, was für ein gewöhnungsbedürftiges Bild sorgt und professionelle Fotobearbeitung unmöglich macht.
Acer arbeitet bei den 3D-Versionen der Aspire-Notebooks mit der Software TriDef3D. Dieses Programm bietet einen TriDef3D-Ignition genannten Starter, mit dem man seine Spiele verknüpfen und mit 3D-Profilen versorgen kann. Allerdings unterstützt das Programm in der aktuellen Version nur DirectX bis zur Version 9. Die DX11-Funktionen der ATI-GPU kann man also vorerst nur bei herkömmlicher Betrachtung nutzen. Für viele Spiele liegen 3D-Profile entweder direkt in der Software bei oder sie lassen sich von der Homepage des Herstellers herunterladen. Mitunter ist es aber schon recht knifflig, das eine oder andere Spiel überhaupt mit s3D-Unterstützung zum Starten zu bewegen. Bekannte Titel wie Bad Company 2, Modern Warfare 2, Company of Heroes, Need for Speed oder auch die Anno-Reihe laufen problemlos und mit sehr gut ausgeprägten 3D-Effekten. Einige eher unbekannte Spiele wie zum Beispiel Zombie Driver überraschen sogar mit einem stark gesteigerten Spielspaß. Einige Titel wie Siedler 7 liefern dabei allerdings so starke Grafikfehler, dass Spielen unmöglich ist. Bei Shootern ist es teilweise recht schwer, vernünftig zu zielen. Ein großes Problem der zugrundeliegenden Technik ist, dass man das Bild nicht auf Wunsch focussieren kann. So bleibt meistens der gewünschte Bildinhalt entweder zu scharf oder unscharf dargestellt. Wenn man sich auf das Visier im Shooter konzentiert muss man sich beim Spielen teilweise schon sehr anstrengen, um den Gegner erkennen zu können. Und ein weiteres Problem stört den Spielspaß immer wieder — nur echte 3D-Objekte werden auch räumlich dargestellt. Fadenkreuze, Schriften oder Bedienelemente sind meistens nur 2D-Objekte und haben daher im Spiel keine räumliche Tiefe. Daher “kleben” diese Objekte quasi vor dem eigentlichen Spielinhalt und können so stören. Programme wie Google Earth sind so quasi unbenutzbar, da nur die Weltkugel räumlich dargestellt wird, die Beschriftungen allerdings den Eindruck vermitteln, am Bildschirm zu kleben.
Die Software ist weiterhin in der Lage, entsprechend vorberechnete Bilder und Videos stereoskopisch darzustellen. Einige Beispielvideos- und Fotos sind bereits vorinstalliert und geben einen guten Eindruck von der Technik. Herkömmliche Videos kann das Programm umrechnen, was einen zumeist eher bescheidenen Effekt ergibt. Bei Filmen, die sowieso für 3D-Kinos konzipiert wurden wie zum Beispiel Coraline oder Oben! ist der Effekt recht brauchbar, viele andere Produktionen schauen allerdings nur minimal besser aus. Bei Fotos gilt ähnliches. Entweder man fotografiert konsequent nur noch mit modernen 3D-Kameras und genießt anschließend beeindruckend plastische Motive oder man lässt es. Die Umrechnung in Pseudo-3D jedenfalls funktioniert eher schwach.
Den Arbeitsalltag bewältigt das Aspire dafür mit Bravour. Die Tastatur hat einen angenehmen Anschlag, auch wenn der gesamte nach links gerückte Aufbau einen Einsatz ohne Tisch stark in Frage stellt. Die Leistung reicht für flottes Bearbeiten auch von hochauflösenden Bildern und selbst für gelegentliche Videoschnitt-Aufgaben kann man das Gerät problemlos empfehlen. Einen Strich durch die Rechnung macht allerdings das Display, welches zwar mit guter Helligkeit und überzeugenden Kontrasten punkten kann, dafür aber die für den 3D-Einsatz nötigen Zeilen zu schlecht kaschiert. Dazu kommt die für den Außeneinsatz absolut ungeeignete spiegelnde Oberfläche.