28.10.2008Neurosis – “Given To The Rising” von johnny7

Neurosis. Eine Band, die seit ihrer Gründung 1985 viele verschiedene Stile durchlaufen ist, aber immer begeistern konnte. Vom Hardcore haben sie einen völlig eigenen Sound entwickelt, für den sich kein Begriff finden lässt, eine Mischung aus Doom Metal und atmosphärischem Sludge. Nur unzureichend sind Begriffe wie “Post-Hardcore” oder auch “Post-Metal”. Im Mai 2007 ist ihr neues Werk erschienen: “Given To The Rising”.

Schon anhand des Covers und vor allem des tollen Booklets merkt man: Es wird wieder dunkel und mächtig. Das Vorgängeralbum “The Eye Of Every Storm” arbeitete eher mit ruhigeren Tönen, war nicht so brachial wie die alten Platten. “Given To The Rising” ist eine Mischung aus diesen alten Platten – zäh, laut und intensiv – und dem Vorgänger. Es dominieren wieder die harten Klänge, die aber immer wieder von ruhigen Passagen abgelöst werden, Verschnaufpausen. Und egal ob laut oder leise, die Musik beeindruckt immer, zieht den Hörer in ihren Bann und jagt ihm ein ums andere Mal eine Gänsehaut über den Rücken.
Der Opener und Titeltrack kann mit einem tollen Thema beeindrucken, der Song insgesamt ist sehr vielseitig und abwechslungsreich, hier ziehen Neurosis alle Register ihres Könnens. Das folgende “Fear And Sickness” beginnt ruhig, hypnotisch. Die Lautstärke steigert sich allmählich, der Gesang setzt ein. Am Ende gibt es den schon fast obligatorischen Ausbruch, der einem wieder und wieder die erwähnte Gänsehaut über den Rücken schickt. Ruhig beginnt auch “To The Wind” – bis der Sänger einsetzt. Einfach unglaublich intensiv (das Wort muss einfach häufig verwendet werden). Der Sänger Steve von Till vermag es ausgesprochen gut, die düstere Atmosphäre der Songs mit seiner Stimme noch zu verstärken. Sie ist schwer zu beschreiben, ähnelt aber dem Growlen des Death-Metal und passt zur Musik wie “die Faust auf’s Auge”.

Die ersten fünf Minuten von “At The End Of The Road” sind fast still, man hört das Schlagzeug, dann erklingt die Gitarre, im Hintergrund ist von Tills Stimme zu hören. Diese 5 Minuten sind aber keineswegs langweilig oder gar überflüssig, sie sind wahnsinnig atmosphärisch. Die Lautstärke steigert sich dann auch bei diesem Song, die Gitarrenriffs stürzen über den Hörer herein und von Till “singt” einen in Grund und Boden, als würde er sich alles Leid aus den Tiefen seiner Seele schreien. “Shadow” ist ein kurzes Zwischenspiel, untermalt mit nach Industrial klingenden Samples und der flüsternden Stimme von Tills. Darauf folgen drei typische Neurosis-Songs: “Hidden Faces”, “Water Is Not Enough” und “Distill (Watching The Swarm)”. Sie sind alle beherrscht vom genial produzierten Gitarrensound (den man sonst nirgendwo in dieser Weise hört) und – wieder mal – von von Tills manischer Stimme, die einen in ihren Bann zieht und nicht mehr los lässt. Alle drei Songs beinhalten sowohl ruhige, hynotisierende als auch laute, ungebändigte Passagen, die live sogar noch intensiver sind. Solche Gänsehaut vermag keine andere Band einem über den Rücken zu schicken. Mit “Nine” gibt es nochmal ein Industrial-Sample, das den letzten Song einleitet: “Origin”, der mit fast 12 Minuten der längste Track des Albums ist. Neun Minuten treibt er wie ein ruhig fließender Fluss dahin, bis von Till einsetzt und dieses Meisterwerk furios beendet. Der Hörer bleibt geplättet zurück.

Und in ihm reift die Erkenntnis, dass Neurosis auch nach über 20 Jahren nicht verbraucht oder gar müde wirken, sie klingen frisch wie eh und je. Verantwortlich für die Produktion war Steve Albini, dem es gelang, die tollen Livequalitäten von Neurosis (die Alben spielen sie auch live ein) auf CD zu pressen.

 Mit “Given To The Rising” schaffen es Neurosis, ihren “Lebende Legende” – Status zu erhalten. Es verbindet die zähen aber lauten Klänge mit den ruhigeren aus dem Vorgängeralbum und ist so abwechslungsreich und unglaublich intensiv, um mit der typischen Bezeichnung für Neurosis zu schließen. 

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