25.07.2007Der Pate von Irrlicht

PateSie haben GTA und Mafia gerne gespielt, vermissen aber eine echte Story bei GTA und eine abwechslungsreiche „Freie Fahrt“ Option bei Mafia? Dann könnten sie sich vielleicht mit „Der Pate“ anfreunden, dieser kombiniert gezielt die Stärken beider Spiele und ergänzt sie um weitere. Anders als bei GTA Nachahmern wie True Crime, welches an einer zu großen, gleich aussehenden und sterilen Spielwelt sowie der extrem komplizierten Steuerung kränkelt, gelingt es EA eine vergleichsweise kleine Spielwelt zu erstellen, die zwar nicht mit außergewöhnlichen Landschaftssettings protzen kann, aber sehr lebendig und realistisch wirkt. Nachgebildet wird übrigens das New York der 50’er Jahre wie es war, also trist und schmutzig. Das Spiel orientiert sich an den Film „Der Pate“, der Film wiederum lässt sich auf das gleichnamige Buch von Mario Puzo aus dem Jahre 1969 zurückführen. Buch, Film und Spiel erzählen von der aus Sizilien stammenden Familie „Corleone“, die sich gegen vier weitere Familien in den Kampf um die Vorherrschaft von New York durchsetzen muss.

Wie der Film, so das Spiel

Das Spiel orientiert sich eng an den gleichnamigen Film, so sollten Kenner des Films alle Hauptpersonen wieder erkennen, diese können sie allerdings nicht steuern. Stattdessen erstellen sie sich mithilfe eines Editors eine individuelle Spielfigur, dessen Aussehen sie von der Figur bis zur Augenbrauenstellung selbst entwerfen dürfen. Jedoch erinnern nicht nur die Hauptpersonen an den Film, sondern auch die einzelnen Missionen, so muss beispielsweise der Pferdekopf mit Hilfe eines Kompagnons in das Bett des Filmproduzenten gebracht werden. Einziger Unterschied, sie erleben die Aufträge aus einer anderen Perspektive so erleben sie unter anderem wie der Pate in das Krankenhaus gebracht wird. Erleben heißt in diesem Fall, jedoch nicht zuschauen sondern selber machen.

Immer etwas zu tun
PateNeben den Storymissionen gibt es ebenfalls ständig etwas zu tun, es wollen Polizisten bestochen werden, die im Gegenzug nach einem Banküberfall nicht gleich alle Kräfte mobilisieren und sich das Geld zurückholen. Außerdem können sie (illegale) Geschäfte, Lagerhäuser und sogar ganze Stadtviertel übernehmen. Weiterhin ist es möglich Auftragsmorde anzunehmen. Doch wozu das ganze?

Ohne Moos nichts los
Richtig, sie verdienen oder besser sie nehmen sich Geld. Für dieses Geld können sie sich beispielsweise Kleidungsstücke, Waffen- (upgrades, muniton) oder Wohnungen (dienen als Speicherplätze) kaufen. Neben Geld bekommen sie für erledigte Mission aber auch Respekt, wenn sie davon genug „gesammelt“ haben, steigen sie in der Familienhierarchie auf (bis zum Paten) und bekommen somit mehr Anteile von der Familiekasse ab. Einen weiteren Reiz macht das Upgraden von Fähigkeiten wie Schießen, Schnelligkeit, Geschicklichkeit aus. Diese Fähigkeiten ermöglicht es z.B. schneller zu zielen/ nachzuladen oder helfen bei dem Bestechen von Geschäftsinhabern.

Wenn einer eine Reise macht …
…dann kann er was erleben. Denn die Stadt ist frei zugänglich und sehr lebendig, Passanten unterhalten sich, Tauben lassen sich aufschrecken und fliegen weg, an einigen Ecken stehen Waffenhändler und bestechliche Polizisten. Wie bei GTA und Konsorten lässt sich die Stadt nicht nur zu Fuß begehen, für den Fahrspaß stehen auch Autos zur freien Verfügung. Die Anzahl der Fahrzeuge ist im Gegensatz zu der in GTA verständlicherweise sehr beschränkt und orientieren sich vom Aussehen an die von Mafia. Leider ist es den Entwicklern nicht gelungen, das Fahrverhalten der Oldtimer einigermaßen realistisch zu gestalten (wie bei Mafia). Stattdessen steuern sich die Autos sehr schwammig und wie auf Schienen. Das beeinträchtigt den Fahrspaß für mich allerdings nicht. Ähnlich gewöhnungsbedürftig ist auch die Steuerung der Spielfigur, allerdings hat man hier trotz einer langen Liste von notwendigen Tasten schnell den Bogen raus.

Die Technik:
Pate
Grafisch reißt das Spiel keine Bäume aus und orientiert sich eher am Grafikstil von GTA anstatt zum grafisch besseren Mafia, dennoch verbreitet die triste Grafik und die einheitliche Struktur der Stadt eine nachvollziehbare Atmosphäre. Der Sound sorgt dank der originalen Filmmusik für Filmatmosphäre, auch die Sprecher machen ihren Job gut. Die Sounds der Waffen klingen realistisch, Motorengeräusche und sonstige Geräusche sind solide, ohne jedoch besonders hervorzustechen.

Und sonst?
Abschließend sind noch ein paar weitere positive und negative Punkte zu nennen.
Pro: Die KI der Gegner spielt eine Liga höher als die in GTA und Mafia, so gehen Gegner hinter Häuserecken, Autos und Kisten in Deckung lehnen sich nur zum Schießen hervor und sind mitunter sehr schwer zu treffen. So entstehen spannende Gefechte mit Polizei, Gangstern und beiden zusammen. Nicht nur die Schießereien sind spannend auch die Steuerung im „Kampfmodus“ bietet viele Möglichkeiten den Gegner Kampfunfähig zu machen. Hierbei geht es nicht immer zimperlich zu, so können sie den Gegner auf unterschiedliche Weisen exekutieren oder erdrosseln. Das klingt brutal und ist es auch, jedoch sollte das Spiel deshalb nicht verurteilt werden, denn diese Features dienen der Atmosphäre und die ist nun einmal realistisch (verglichen mit den Patefilmen).
Kontra: Als eines der größten Mankos ist die im Spiel integrierte Karte zu nennen. Um diese aufzurufen müssen sie erst ins Menü, statt sie wie bei Mafia transparent ins Spiel einzubinden. Zudem gibt es nur zwei Zoom Stufen, was die Übersicht nicht gerade erleichtert. Das Speichersystem ist an GTA angelehnt und somit nicht jedermanns Sache (gespeichert wird nur im Versteck), immerhin wird während der Missionen automatisch gespeichert. Mein letzter größerer Kritikpunkt ist die Spielzeit, die sie für die Storymissionen benötigen. Nach spätestens 8 Stunden sind diese abgeschlossen, dann bleiben „nur“ noch die zahlreichen Nebenmissionen.

Zusammenfassung:
PateDer Pate ist ein GTA Klon der sich beim Setting und Missionsdesign bei Mafia orientiert. Anders als bei vielen anderen Spielen gelingt es jedoch, die spielerische Freiheit von GTA mit den Stärken von Mafia zu verbinden. Dank den spannenderen Nebenmissionen, der besseren Story und natürlich den im Gegensatz zu GTA besseren Szenario schlägt „Der Pate“ meiner Meinung sogar GTA. An Mafia kommt es jedoch nicht heran, da dessen Story immer noch besser erzählt ist, die Missionen spannender und vor allem die Spielzeit länger ist. Was mir am meisten gefallen hat? Die Schusswechsel, die Geschäftsübernahmen und die lebendige atmosphärische Spielwelt. Weniger gefallen hat mir die umständliche Bedienung (Stichwort: Kurzer Blick auf die Karte) sowie die kurze Spielzeit.
Unterm Stich gesagt, kann ich „Der Pate“ an alle weiter empfehlen, insbesondere aber an diejenigen, die sich nicht mit dem Szenario von GTA identifizieren konnten.

 Für 10€ definitiv ein Angebot, das man nicht ablehnen darf. 

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