Alljährliche Auflage
Wie jedes Jahr im Herbst bringt Konami eine Neuauflage seiner Fußball-Simulation auf den Markt. An die Neuerungen hat man sich mittlerweile schon gewöhnt:
Aktualisierte Daten, leicht aufgehübschte Grafik, schlauere KI, verbesserte Ballphysik…
Aber im Gegensatz zum Konkurrenten FIFA aus dem Hause Electronic Arts schafft es die Serie immer wieder aufs Neue, ein einzigartiges Spielgefühl zu vermitteln. Nicht zuletzt ein Verdienst der sich immer verändernden Ballphysik, die jedes Jahr ein bisschen anders ist. Der Realismus bleibt dagegen völlig unverändert.
Die Lizenzen
Seit jeher spricht eines gegen die PES-Reihe, die Lizenzen. EA hält das ganze Lizenzpaket, Konami darf sich mit wenigen vollständig lizenzierten Ligen, in Zahlen 4, begnügen. Das wären unter anderem die Spanische Premiera Division, die Italienische Serie A, die französische Ligue 1 und die Holländische Eredivisie. Daneben gibt es die englische Liga, die aber nicht auf den vollen Lizenzumfang zurückgreifen kann. Die deutsche Liga fehlt leider völlig, doch das ist kein Beinbruch. Dank des integrierten Editors kann man die Daten ohne großen Aufwand manuell bearbeiten. Das hat schon viele Modder dazu motiviert, riesige Patches zu entwickeln, die von der Aktualisierung der Daten bis zum Einfügen neuer Fangesänge alles Erdenkliche beinhalten.
Die veränderte Ballphysik
Die wohl spürbarste Änderung ist die an der Ballphysik. Wo die Fußballer in FIFA mit einem Gummiball zu kämpfen haben, da dürfen PES-Zocker seit jeher einen realistisch simulierten Fußball durch die Gegend kicken. An der Physik wurde nochmal kräftig geschraubt. Die Partien sind nun im Gegensatz zum Vorgänger temporeicher. An den blitzschnellen Spielablauf des 4. Teils kommt man aber nicht heran.
Daneben gibt es noch eine Änderungen beim Spielablauf. Schüsse und Pässe müssen besser getimed werden, Spieler sollten bei Torschüssen in die Richtung des Tores schauen, sonst ist man von einem Torerfolg weiter entfernt als von einem dopingfreien Radsport. Flanken und Kopfballduelle wurden verfeinert, die Spieler müssen sich nun die beste Kopfballposition erkämpfen, die Flanken fallen einem nämlich nicht mehr direkt auf den Kopf.
Du Pfeife
Einer der wenigen Kritikpunkte des Vorgängers waren die Schiedsrichter, welche mit kleinlichen Entscheidungen ständig den Spielfluss unterbrochen haben. Konami hat daran gefeilt und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Unparteiischen wirken menschlich, machen auch mal Fehler. Sie erkennen Vorteilsituationen und lassen weiterlaufen. Kleine Fouls werden nicht mehr so oft geahndet, dafür gibt es nun häufiger gelbe und rote Karten.
Diese Menschlichkeit wird auch noch dadurch verstärkt, dass jeder Schiedsrichter eine eigene Persönlichkeit besitzt. Manche pfeifen sehr selten und zücken kaum Karten, andere dagegen sind unbarmherzig und zeigen einem Spieler gern mal die rote Karte.
PES-Manager
Der Schlüssel zum Erfolg ist, wie im echten Leben auch, die richtige Taktik. Dazu lässt einem das Spiel alle Möglichkeiten. Von der Aufstellung, über die Teamtaktik bis zur exakten Spielerposition dürfen Sie alles nach Belieben einstellen. Man kann auf Abseits spielen, Pressing ausüben oder alles nach Vorne werfen. Die KI-Kicker halten sich dann meist an ihre Vorgaben, nur selten gibt es kurze Aussetzer.
Daneben muss man die einzelnen individuellen Fähigkeiten der Spieler beachten. Wenn man kleine, kopfballschwache Stürmer hat ist es wenig erfolgversprechend, über die Flanken zu spielen. So muss man die eigenen Stärken und Schwächen konsequent analysieren, um erfolgreich zu sein. Vor allem in den höheren der 5 Schwierigkeitsstufen kommt man daran nicht vorbei.
Grafik – gespalten
Die Grafik hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits wirken die Animation glaubwürdig und tragen ungemein zum Realismus bei. Spieler köpfen lässig ein, Torhüter vollführen spektakuläre Paraden. Die meisten Spieler sehen ihren lebenden Stars zum Verwechseln ähnlich, das gilt aber nur für wenige bekannte Kicker.
Auf der anderen Seite stehen detail-arme Texturen, in grau gehaltene Stadien und 2D-Zuschauer, die schwarzem Brei verblüffend ähnlich wirken.
Auch beim Sound hat sich nicht viel getan. Die meisten Kommentare von Wollf-Christoph Fuß und Hansi Küpper wurden aus dem Vorgänger entnommen, ebenso die Stadiongesänge.
Beides ist auf einem ordentlichen Niveau, doch das macht FIFA immer noch besser.
Konsolenrelikte
Die Menüs wirken lieblos von der Konsolenversion portiert. Icons sind riesig, Farben grell und die Menüs sehr verschachtelt. Das nervt vor allem im Meisterliga-modus, in dem man ein Team aus der zweiten in die erste Liga führt. Durch Erfolge sammeln die Kicker Erfahrung und werden so Stück für Stück besser.
Die große Stärke von Pro Evolution Soccer 6 sind die Matches gegen menschliche Gegner. Dabei kommt die Dramatik eines echten Fußballspiels unglaublich gut rüber, denn ein einziger Fehler kann das Spiel entscheiden. Wie im echten Leben halt auch.