05.11.2007Test Drive Unlimited von Edu

Test Drive Unlimited ist schon vor einem halben Jahr für die Xbox 360 erschienen. Jetzt kommt es endlich für den PC. Um eins klar zustellen: Es ist keine halbherzige Portierung geworden.

Groß, Größer, Test Drive Unlimited!
In Test Drive Unlimited verschlägt es sie in den Pazifik, genauer gesagt nach Hawaii auf die Insel Oahu. Die Entwickler hatten sich viel vorgenommen und die gesamte Insel mitsamt 1600 km Straßennetz detailgetreu übernommen.
Schon der Anfang hebt sich angenehm von „normalen“ Rennspielen ab. Man steht vor einem Schalter in einem beliebigen Flughafen, dahinter eine Menschenschlange von ca. 10 Leuten.
Einen davon kann man sich aussuchen, doch die Auswahl ist groß: Es gibt Männer und Frauen, die allesamt verschieden aussehen. Spielentscheidende Vorteile bzw. Nachteile gibt es nicht.
Nach der Auswahl kommt eine kurze Zwischensequenz in Spielgrafik, in der man durch einen Tunnel ins Flugzeug gelangt. Wenig später landet man und steht bei einem Autoverleiher. Zur Auswahl stehen drei Fahrzeuge, ein Lotus, ein Audi und eine Corvette. Mit dem gemieteten Auto fährt man zum Immobilienmakler um sich ein Haus zu kaufen, denn die vielen Karossen, insgesamt knapp 130, muss man ja auch irgendwo unterstellen. Zum Glück hat schon das billigste Haus 4 Garagenplätze, das reicht für die ersten Spielstunden. Nach dem Kauf geht es weiter zum Autohändler, denn die Autos vom Verleiher darf man nur eine begrenzte Zeit lang fahren. Diesmal ist die Auswahl etwas umfangreicher, man darf zu einem Audi-, Saturn-, Corvette- und einem Alfa Romeo-Händler fahren. Da das Geld nach dem Kauf des Hauses knapp ist, ist die Auswahl dann doch sehr eingeschränkt.
Anschließend wird man von einem GPS-System zu einem Rennen gelotst. Nach dem Rennen ist das ordentliche Tutorial vorbei, und man kann die Insel nach Lust und Laune erkunden. Der Multiplayermodus ist ab diesem Zeitpunkt freigeschaltet.

Beeindruckender Umfang
Der Umfang von TDU ist schier grenzenlos. Die Insel ist von Anfang an frei befahrbar. So kann man Rennen bzw. Herausforderungen suchen um schnell an etwas Geld kommen.
Es gibt viele verschiedene Rennen. Die am weitest verbreiteten sind die Zeitfahrten und Rennen gegen die KI. Meist fährt man durch mehrere Checkpoints, was nicht sehr fordernd ist, da die Zeit sehr großzügig bemessen ist und der Weg im GPS angezeigt wird.
Daneben gibt es exotischere Rennen. Wie schon aus Need for Speed bekannt, gibt es Radarfallenrennen, die aber anspruchsvoller sind als beim Konkurrenten. Denn meistens liegen die Radarfallen in Kurven und der Gegenverkehr ist dichter. Das Ziel bei diesen Rennen ist es, jede Radarfalle mit der höchsten Geschwindigkeit zu durchfahren, und eine vorgegeben Durchschnittsgeschwindigkeit zu überbieten. Ab und zu, aber doch eher selten gibt es Rundenrennen, bei denen der jeweils Letzte der Runde ausscheidet, bis keiner mehr übrig ist.
Die zweite Kategorie sind die Herausforderungsrennen. Sie sind unterteilt in Kurier und Personenbeförderung. Bei den Kuriermissionen muss man entweder ein Auto, meist über 20km, unbeschadet von A nach B bringen, oder ein Päckchen in einer bestimmten Zeit abliefern. Mit diesen Missionen kann man viel Geld verdienen, für die Auslieferermissionen kriegt man 80.000-100.000$, fährt man fehlerfrei gibt es einen ordentlichen Bonus von 40.000 bis 50.000$. Für das Päckchen ausliefern gibt es 50.000 bis 60.000$.
Zu den Personenbeförderungen gehören die Anhalter- und Modelmissionen: Die Anhaltermissionen erstrecken sich meist über eine Distanz von 10-15 km. Die Modelmissionen sind meist kürzer, doch die Models sind sehr wählerisch, sprich: meist kann man diese Rennen nur mit bestimmten Autos fahren. Diese Rennen werden durch einen Countdown und einer Anzeige erschwert. Bei dieser Anzeige handelt es sich im Prinzip um einen Barometer. Man hat eine bestimmte Zahl Punkte, abhängig von der Streckenlänge. Mit jedem Crash oder Ausflug aufs Land werden Punkte abgezogen. Hat man keine mehr, ist das Rennen verloren und man kann einen neuen Versuch wagen. Als Belohnung gibt es kein Geld, sondern ein paar lausige Coupons, mit denen man sich einkleiden kann.
Zu diesen zwei Typen gesellen sich noch legendäre Rennen, mit denen man Boni freispielen kann. So schaltet man mit dem Kraterrennen beispielsweise eine Lackiererei frei, mit der Inselrundfahrt einen Alfa Romeo. Diese Rennen sind sehr fordernd, werden aber auch dementsprechend belohnt.

El Dorado für Autoliebhaber
Im Spiel gibt es ca. 130 Autos und Motorräder, die in verschiedene Leistungsklassen unterteilt sind: Die schnellsten (und auch teuersten) Karossen findet man in der Gruppe A, danach kommen Gruppe B, C, D, E, F und zu guter Letzt die Klasse G. Die hat aber nichts mit der eigentlichen Leistung zu tun, das ist lediglich die Gruppe für Oldtimer und Muscle Cars. Schlussendlich gibt es noch zwei Gruppen für Motorräder, mA und mB.
Alle Autos sind lizenziert, es gibt Luxuskarossen wie den Ferrari Enzo oder McLaren, aber auch Mittelklassewagen wie den Audi A6. Die Mischung ist sehr gut gelungen, es ist für jeden was dabei. Der Fuhrpark soll durch Downloads ständig erweitert werden.
Die Klassenunterteilung hat aber auch seinen Sinn. Um die Balance zu bewahren, sind die meisten Rennen für bestimmte Klassen bestimmt. Am Anfang darf man meist nur mit E- oder F-Klasse fahren, nach und nach werden mehr Rennen für andere Stufen freigeschaltet.
Was viele Autoliebhaber-Herzen höher schlagen lässt: Die Cockpits sind bis ins kleinste Detail den Vorbildern nachempfunden. Das bedeutet, dass jeder Schalter, jeder Knopf an der richtigen Stelle ist.
Eigene Fahrzeuge darf man auch optisch und leistungstechnisch aufwerten. Die Auswahl ist leider sehr beschränkt, es gibt nur verschiedene Lackfarben, ein paar Felgen und eine nur von der Farbe her individuelle Innenausstattung. Das Leistungs-tuning beschränkt sich auf nur 3 Stufen, die man nicht verschieden einstellen kann. Da wäre mehr möglich gewesen.

Ein bisschen Rollenspiel
Wie schon erwähnt, ist Test Drive Unlimited kein normales Rennspiel. Das wird auch in anderen Belangen deutlich: Am Anfang ist man noch Amateur, nur wenige Rennen sind freigeschaltet. Mit verschiedenen Erfolgen, wie z.B. 1000 gefahrenen Meilen kriegt man Punkte. Mit einer bestimmten Punktzahl steigt man auf und schaltet neue Rennen frei. Am Anfang geht das sehr flott, doch bis man Meister wird, vergehen viele virtuelle Spielstunden.
Außerdem gibt es in der Spielwelt viele verschiedene Klamottenläden, in denen man sich durch gewonnene Coupons Kleidung kaufen kann. Und wem sein Charakter gar nicht gefällt, kann ihn im Editor leicht verändern.

Technisch eine einwandfreie Leistung
Zur Technik gibt es nicht viel Negatives zu sagen. Autos sehen realistisch und detailgetreu aus, die Spiegelungen auf den Autos wirken echt und jedes noch so kleine Detail wurde gut ins Spiel übertragen.
Die Weitsicht ist unbegrenzt, man kann die ganze Insel überblicken, solange man eine Stelle findet, wo das möglich ist. Dabei kann man die sehr detailliert gestaltetete Insel bewundern. Die wenigen Städte sind sehr schön gestaltet, die Vegetation ebenso dicht wie abwechslungsreich. Mal fährt man durch einen Wald, mal durch leere Regionen. Doch eins fällt im Gesamtbild leicht störend auf: Wenn man genau darauf achtet, sieht man, wie Bäume ab einer bestimmten Entfernung in groben Schritten detaillierter werden. Klar, technisch ist es bislang unmöglich, diesen Aufbau abzuschaffen, doch man hätte es etwas mehr verbergen können. Dies fällt aber nur in manchen Regionen auf.
Der Sound hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Manche Autos hören sich wie Mähdrescher an, andere dagegen brummen und grölen lautstark. Die Bedienung ist abgesehen von der leicht schwammigen Gamepadsteuerung gelungen. Am besten ist natürlich ein Force Feedback Lenkrad, da macht das Fahren in den teueren Edelkarossen am meisten Laune.

Gelungene KI
Die KI ist bis auf ein paar Aussetzer klasse geworden.
Beispiel Gegner KI: Sie fahren nicht auf der Ideallinie, jedes Rennen fahren sie anders. Sie machen aber auch Fehler und rasen beispielsweise in den Gegenverkehr. Manchmal wird es auch komisch, wenn die KI z.B. auf gerader Strecke von der Straße abkommt. Solche Aussetzer sind aber eher selten anzutreffen.
Beispiel Zivilverkehr: Anders als in vielen Rennspielen wurde versucht, auch die KI des Zivilverkehrs gut umzusetzen. Sie blinken bevor sie abbiegen oder die Straßenseite wechseln. Wenn man mit 300 Sachen angerast kommt, dann macht der Verkehr meist Platz. Und wenn man auf der falschen Fahrbahn fährt, weicht der Gegenverkehr aus, um sich nicht zu gefährden.

Revolution
Eine weitere Besonderheit von Test Drive Unlimited ist der umfangreiche Multiplayermodus. Am besten zu vergleichen ist er mit Onlinerollenspielen. Nur dass es einen einzigen Server gibt, wo sich alle Spieler tummeln. Das bedeutet, dass man unterwegs auf andere Leute treffen kann , Clubs gründen darf oder sogar Autos verkaufen / tauschen kann.
Überall auf der Karte verteilt gibt es Multiplayer Rennen, denen man, vorausgesetzt man entspricht der Anforderungen, beitreten kann. Der Multiplayer ist ein wichtiger Bestandteil von Test Drive Unlimited, ohne ihn macht das Spiel nur halb so viel Spaß.

Bugs, Bugs und nochmal Bugs
Leider ist auch TDU nicht frei von Fehlern. Es kann passieren, das Spielstände ohne Grund zerstört werden, Lenkräder Performanceprobleme bereiten können oder noch schlimmer gar nicht funktionieren. Der Sound setzt manchmal aus. Es passiert auch, dass der zivile Verkehr ohne Grund plötzlich während der Fahrt auseinander fällt. Noch schlimmer ist der lag-geplagte Server. Ohne eine schnelle Internetverbindungen lagt das Spiel im Onlinemodus, man stürzt ab und kann andere Fahrer nicht sehen. Eden ist sich den Fehlern bewusst, und verspricht baldige Besserung.

 Dieses Spiel macht mir ungemein Spaß. Die Rennmodi sind vielfältig und abwechslungsreich, die Grafik und KI sehr gut. Es gibt viele verschiedene Fahrzeuge.Ein paar Mängel trüben aber den Spielspaß: Es gibt einige Bugs, nach einiger Zeit wird es langweilig, weil man nichts mehr freischalten kann. Doch da gibt es zum Glück den gelungen Multiplayerpart, der auch nach mehreren Stunden Spass macht. Nur Cheater nerven manchmal, da muss dringend etwas getan werden. 

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