13.07.2008Wii Fit – Part I von Punkfloyd

Wie alles begann
“Sag` mal.. Hat dich schon jemand gefragt, was ich mir zum Geburtstag wünsche? Falls ja: Dann wäre mein Wunsch dieses “Wii Fit” bzw. das Geld dafür.”
Mit diesem Wink meiner Frau mit dem Zaunpfahl begann es also..
Neugierig geworden, woher meine Frau, die den Finessen der modernen Werbung in der Regel nicht erliegt, da sie diese Werbung schlicht kaum verfolgt, woher meine Frau also den neuen Wurf von Nintendo überhaupt kannte, hakte ich nach.
Dazu muss ich sagen, dass “Wii Fit” für mich bis dato etwas war, das in die Richtung dieser Tanzmattenspiele der Playstation ging; bestenfalls noch Elemente vom durchaus meinerseits geschätzten “Wii Sports” bot. Ersteres gehört meiner Meinung nach wohl eher in die Zimmer pubertierender Mädchen und letzteres hatten wir ja schon, seit wir die Konsole selbst haben.
Mein Blick und eventuell auch noch mein “Hhmmm” haben wohl Bände gesprochen, so dass meine Frau mich darüber informierte, dass u.a. die Barmer Ersatzkasse wohl kräftig die Werbetrommel für das Produkt rührt und auch schon einige ihrer Berufsgenossinnen im Bereich der Ernährungsmedizin ganz begeistert davon seien. (Was nicht unbedingt ernst genommen werden muss, ich kenne einige Vertreter dieser Spezies, die öfter ihre Empfehlungen wechseln, als der gemeine Dicke Mahlzeiten zu sich nimmt. )
Andererseits war mir damit die goldene Brücke dahingehend gebaut, endlich mal wieder was anderes zu schenken als Bücher, CDs, Sekt oder/und einen Reisegutschein.
Da wir gerade in der Nähe vom Media Markt waren, schlug ich vor, diesen doch mal anzufahren und dann könnten wir uns das ja mal anschauen. (Natürlich wollte ich eigentlich lediglich in einem unbeobachteten Moment ein Paket zurücklegen lassen und wäre so in der ungewohnten Situation gewesen, schon Wochen vor dem Geburtstag meiner besseren Hälfte diesem stressfrei entgegenblicken zu können. )
Aber es kam anders. Eigentlich kam es, wie es immer kommt: Wir fanden das Gesuchte, kauften das Gesuchte und etwa eine halbe Stunde später aktivierten wir Big N`s Waffe gegen Körperfett und Muskelmangel.

Erste Eindrücke – oder: Der Schock
Den Datenträger in die Wii und die beigelegten Batterien ins schlichte, aber nicht hässliche weiße Board eingelegt und los.
Erstmal Größe, Alter, Nickname, Gewicht der Kleidung eingegeben, dann weiter den Instruktionen gefolgt und zum ersten Male der “Stimme” gelauscht.
“Ich meeeeeeeeehhzze!”
Verdammt, die Wii-Stimme klingt wie jemand klingt, kurz bevor er bzw. sie auf LSD endgültig durchknallt.
Dazu kommt, dass es ein doofes Gefühl ist, wenn jemand (meine Frau) dabei zusieht, wie das eigene Gewicht sowie der BMI ermittelt wird und die Tendenz merklich in die falsche Richtung geht.
Ich war bereit dieses Board zu hassen! Was weiß das Ding schon von den Mühen mit dem Rauchen aufzuhören, von Kompensationsverhalten und Ersatzhandlungen, von anstrengenden Geschäftsessen, dem obligatorischen Schnellimbiss zwischendurch und überhaupt!
Blödes Ding!
Und noch blöder ist es, zu versuchen die Situation zu retten, indem man weiterhin tapfer grinst.
Als ob das nicht genug ist, soll ich die Wii meinen Körperschwerpunkt finden lassen. Körperschwerpunkt! Klingt schon wie beim Treffen der anonymen Esoteriker.
Unnötig zu sagen, dass ich nicht gerade ein Meister der Balance bin. Knallhart wird mir attestiert, dass ich RECHTS ausgerichtet sei. Da hört doch alles auf!
Zu allem Überfluss trägt die Mischung aus Unkenntnis der “Bedienung” des Boards und eine gewisse körperliche Faulheit seit einigen Monaten dazu bei, dass mein “Wii Fit-Alter”, das aus dem tatsächlichen Alter, dem vorangegangenen Balancetest (und vermutlich dem Kaffeesatz einer Kirmeswahrsagerin) ermittelt wird, mir nahe legt, mich schon mal um einen Platz im Altersheim zu bemühen.
Nachdem ich diese Erniedrigungen über mich ergehen lassen und mir einen Trainer ausgesucht habe (Hier hat man die Wahl zwischen Männlein und Weiblein und da ich nicht permanent einem Kerl auf den Hintern oder sonst wohin schauen mag, wähle ich die Trainerin), soll es endlich losgehen.
Mir ist mittlerweile ohnehin schon alles egal.
Blödes Ding! Möge sich auslaufende Batteriesäure durch deine künstlichen Eingeweide fressen!

Zweiter Eindruck – oder: Komische Figuren im Wohnzimmer
OK! Was kann man mit dem Ding eigentlich anfangen? Kann man damit auch spielen oder ist es wirklich nur ein modernes Foltergerät für (Ehe)Männer?
Mal schauen. Mein Blick fällt auf das Auswahlmenu. Das ist eingeteilt in die Bereiche “Aerobic”, “Balance”, “Yoga”, “Muskelübungen” und “Favoriten” .
Hm,.. Fettverbrennen ist wohl nicht verkehrt, also schauen wir mal unter “Aerobic” nach. Warum nicht “Jogging”? Etwas irritiert bin ich von der Bitte der Wii, noch nicht “auf sie zu steigen”. Aber scheinbar ist sie doch nicht so keusch, wie sie zuerst tut, denn nicht mal eine Minute später fordert sie mich nun doch auf, auf sie zu steigen. Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen und vermeide Blickkontakt mit meiner Frau. Ich fühle mich schmutzig.
Da alles über einem Kilometer Laufstrecke für mich mit einem Marathon gleichzusetzen ist, mache ich mir keine Illusionen beim “Jogging” ein gutes Ergebnis zu liefern.
Wider Erwarten halte ich die zehn Minuten Laufzeit aber ohne umzukippen durch und werde sogar mit dezentem Lob bzw. drei von vier möglichen Sternen motiviert weiterzumachen.
Nebenbei gesagt: Es macht Spaß mit seinem digitalen Pendant (Mii) über eine virtuelle Insel zu laufen, andere Miis zu treffen, zu überholen, die Aussicht zu genießen.
All diese Kleinigkeiten sind wirklich lustig und ich vergesse glatt, dass ich barfuss im Wohnzimmer auf dem Teppich auf der Stelle laufe.
Was gibt es denn noch? “Hula-Hoop”? Als Kind hat das doch Spaß gemacht. Warum also nicht?
3-2-1-los! Die Hüften kreisen lassen, den Reifen oben halten und von Zeit zu Zeit werden mir von netten Miis von links und rechts weitere Reifen zugeworfen, die durch Seitwärtsneigung aufgefangen werden.
Mit jedem weiteren Ring steigt die Punktzahl deutlich und ich wiederhole die Übung zweimal, bis mir dämmert, dass ich bei hochgezogenen Rollos und geöffneten Gardinen ein merkwürdiges Ziel der irritierten Blicke dörflich-spießiger Spaziergänger abgeben muss. Denn die sehen ja nur einen nicht ganz so schlanken, langhaarigen, schwarz gekleideten Mann komische Figuren machen. Vielleicht hat ja schon ein besorgter Mitbürger den Arzt gerufen oder die Polizei.. oder auch beides. (“Polizei? Hören Sie, da ist dieser komische Typ im Wohnzimmer und hat einen Anfall. Schauen Sie doch mal nach, ob die Familie noch lebt. Die armen Kinder.. ” )
Ich schwitze. Auch wegen der Bewegung. Schau an, ich bin schon zwanzig Minuten sportiv. Das wird durch das Freischalten neuer Aktivitäten belohnt.
So stehen mir nun das “freie Joggen”, der “Super-Hula-Hoop” und das eine oder andere neue Balancespiel zur Auswahl.
A propos Balance: Das “Kopfball”-Spiel, ist eine Übung, bei der es darum geht heranfliegende Bälle mit dem Kopf abzuwehren, durch Verkettung gelungener Abwehrversuche die Punkte zu vervielfachen und dabei möglichst den gehässigerweise auch herumfliegenden Fußballschuhen und Pandabären(!) auszuweichen, die eben diese Punktmultiplikationen jäh beenden.
Dann muss ich aufhören, denn meine Frau mag nun auch mal der Nachbarschaft die Irre vorspielen.
Genüsslich lehne ich mich nun auf dem Sofa zurück und genieße jetzt die im zweiten Kapitel beschriebene Prozedur, die diesmal von der Frau meiner Träume bewältigt wird.
Ich stelle fest, dass es viel lustiger ist, jemandem dabei zuzuschauen, als selbst beobachtet zu werden.
Das Ding ist doch nicht so blöd!

 Weiterlesen mit dem zweiten Teil von Wii Fit: Wii Fit – Part II 

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