Die Dokumentation
Das Programm dokumentiert jede an der Wii geleistete körperliche Aktivität selbständig und unterscheidet im Balkendiagramm farblich zwischen den verschiedenen Fitnessbereichen. Dazu kommt die Möglichkeit selbst weitere Aktivitäten wie Rad fahren, spazieren gehen, schwimmen etc.. etc.. einzutragen. Zwar sind die Beurteilungen der einzelnen Tätigkeiten mitunter etwas merkwürdig (ich z.B. empfinde Kochen nicht als sportive Tätigkeit), aber nach ein paar Tagen weiß man schon, wann man was, wofür und wie lange einträgt.
Somit wird ganz einfach und auch ganz präzise dargestellt, ob man es mit dem Bemühen auch ernst meint, oder ob der Schlendrian Einzug hält.
Ziemlich daneben ist allerdings der Versuch Nintendos, über den Körpertest, der einem täglich empfohlen wird, ein viel zu häufiges Wiegen durchzuführen. Sinnvoller wäre ein einmaliges Wiegen pro Woche, da die natürlichen Schwankungen so sicherlich den einen oder anderen Nichtfachmann verstören oder gar frustrieren werden. Es ist z.B. vollkommen normal, nach einigen Tagen und schon erfolgter Gewichtsreduktion, wieder ein / zwei Kilo zuzunehmen, da ja i.d.R. auch ein Muskelaufbau stattfindet. D.h. Fett wird in Muskelmasse „umgewandelt“ , was aber so nicht dargestellt wird, sondern lediglich als Zunahme verzeichnet wird.
Ein größerer Abstand beim Wiegen würde das nicht so verfälscht erscheinen lassen.
Im Großen und Ganzen macht der sichtbare Verlauf aber Sinn. Es motiviert unheimlich, wenn man sieht, dass man bei der Sache bleibt und man versucht, durchaus nicht zu viele Tage ganz ohne Betätigung im Verlauf zu haben.
Nett sind auch die Versuche Erklärungen zu finden, wenn es mal nicht so läuft wie gedacht. So wird Hilfestellung gegeben, wenn man wieder zulegt. Woran liegt es? Faulheit? Falsche Ernährung? Alkohol getrunken?
Wie gesagt: Nett. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wenn man nach einem Monat auf seine hoffentlich positiv wahrgenommenen Verlaufskurven schaut, kann man eben auch den Erfolg sehen. Das ist klasse.
Spezialisierung – oder: Der kleine Unterschied?
Mit der Zeit bilden sich Präferenzen im Spiel bzw. der Wahl der Spiele. So verbringen meine Frau und meine Tochter viel Zeit mit Steppen in sämtlichen Variationen, während meine Söhne und ich eher das tendenziell „männlichere“ (sic!) Pendant Boxen bevorzugen. Bestimmte Yoga-Übungen liegen ebenfalls eher den Damen, andere den Herren der Schöpfung. Relativ „geschlechtsneutral“ sind solche Betätigungen wie Slalomfahren oder Snowboarden.
Da man sich die Disziplinen bzw. die Erweiterungen derselben durch Aktivität „erarbeiten“ kann, stehen einem stetig mehr Möglichkeiten zur Verfügung.
Für eine erste Umsetzung des Fit-Konzepts sind die Auswahl und die Anzahl der Übungen gut. Das Spektrum reicht vom Joggen über Boxen und verschiedene Muskel- und Haltungsübungen bis zur Entspannung und ist durchaus abwechslungsreich.
Die Übungen im gymnastischen Bereich sind gut angeleitet. Natürlich sollten Eltern bei ihren Kindern darauf achten, dass die Haltung stimmt, denn „Wii Fit“ kann bei aller angebrachten Begeisterung und Innovation natürlich nicht kontrollieren, ob eventuell falsch belastet wird.
Idealerweise kombiniert man „Wii Fit“ ohnehin mit sportlichen Betätigungen, die im Real Life stattfinden.
So ist es bei mir eine Mischung aus täglichem Walken mit dem Hund, einer Runde Fahrrad fahren, zwischendurch etwas Hanteltraining und zum Schluss noch 10-20 Minuten „Joggen“. Wobei ich das letztere inzwischen auf dem Crosstrainer ausführe. Das liegt mir mehr als das auf der Stelle laufen und funktioniert wunderbar auf dem externen Gerät.
Übrigens, wo ich gerade vom Joggen schreibe:
Nicht jede Übung setzt das „Fit-Board“ voraus, bei manchen reicht auch die Fernbedienung, bei anderen benötigt man ausschließlich das Board, bei wiederum anderen wird beides vorausgesetzt.
Soviel erstmal zum Konzept und nun zurück zu meinen persönlichen Erfahrungen:
Bestandsaufnahme – oder: Was bringt das alles? Und wie lange?
Fakten?
Ein Board, ein Programm, bis zu sieben Teilnehmer. Durch die Bank Faszination, bei jedem, der die Gelegenheit hatte mal zuzuschauen oder „teilzunehmen“, auch bei denjenigen, denen Sport sonst eher suspekt ist.
Ein Zehnjähriger, der nun auch beim „Zocken“ körperlich aktiv ist, eine Frau, die mittlerweile durch Stützung der entsprechenden Muskulatur weitestgehend ohne Rückenschmerzen ist. Ein Autor, der in besagten vier Wochen ziemlich genau sechs Kilogramm abgenommen und das bisher auch gehalten hat und nebenbei noch motiviert ist weiterhin etwas abzuspecken um wieder in die Gewichtsregionen zu kommen, die seit der Rauchentwöhnung verlassen wurden.
Das Board wird von der ganzen Familie, zu der auch noch zwei 18-Jährige zählen, angenommen und auch frequentiert.
Was ist „Wii Fit“ nicht?
Natürlich gibt es immer wieder Leute, die Wunder erwarten, aber die sollten lieber in die Kirche gehen und die Vernunftbegabten in Ruhe lassen.
Selbstverständlich wird alleine der Kauf des „Wii Fit“ aus niemandem einen Helden des Sports machen. Dazu gehören schon Eigeninitiative und eine vernünftige Selbsteinschätzung, ebenso wie Disziplin und Aktivitäten, die so nicht vor der Glotze zu realisieren sind.
Vorläufiges Fazit:
Ein toller (Wieder)einstieg in körperliche Aktivität. Nintendo hat hier mal wieder den absolut richtigen Riecher gehabt und statt in „Ich-mach’-alle-Konkurrenten-durch-Hardware-platt-auch-wenn- das-kaum-jemand-interessiert-und-ich-pro-Konsole-draufzahle-HD-Blah-Blah..“ zu investieren ein Problem unserer Zeit erkannt: Die Verfettung der Wohlstandsgesellschaften und die Sensibilisierung der Wahrnehmung dieses Problems und der daraus resultierenden Krankheiten und Kosten. In Zeiten, in denen die Regierungen staatlich geförderte Programme zur Wiederherstellung der Fitness weiter Teile der Bevölkerung angehen, ist das Konzept der Wii Fit goldrichtig.
Ebenso ist die technische Realisierung sehr gut gelungen. Das Board, das übrigens auch eine ganz gute Waage ist, und die Fernbedienung sorgen für eine gute Umsetzung der Aktivitäten und somit auch für ein „Mittendrin“-Gefühl.
Somit bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass es nicht bei der einen Umsetzung bleiben wird, sondern uns noch einige Nachfolger bzw. Erweiterungen erwarten.
Die Grafik ist zweckmäßig bis schlicht und reißt wahrlich keine Bäume aus. Andererseits ist auch keine „Crysis“-mäßige Grafik nötig, um das Gewollte umzusetzen.
Die Zielgruppe besteht im Prinzip aus einem Spektrum vom Schulanfänger bis zum Rentner und durch die breite Fächerung der Aktivitäten sollte auch für wirklich jeden das ein oder andere dabei sein.
Zurück in die Gegenwart: – oder: Was ich noch anzumerken hätte..
Natürlich musste ich nun doch wieder überlegen, was ich denn meiner besseren Hälfte zum Geburtstag schenke. Und es wurde wieder eine (Kurz)Reise und ein oder auch zwei Flaschen Sekt.
Den Sekt konnte ich aber ohne schlechtes Gewissen trinken, da ich mein „Fit-Alter“ vom Rentenanwärter zum Mitzwanziger reduziert habe.
Und ich glaube, dass der Umstand, dass sie nun wieder mit einem noch weit von der Rente entfernt stehenden Mann zusammen ist, auch schon ein ganz gutes Geschenk ist. (Grins..)